eine lustige animation mit dem text: frau schulz




15.07.2005

Willkommen in der Parallelwelt!

In einem Interview sagte Frau Schulz Folgendes: "Manchmal war ich sehr erstaunt, dass Ereignisse in einer anderen Wirklichkeit noch einmal passieren mussten. Ich verstand nicht, dass sich bestimmte Erfahrungen immer wiederholten und nie auflösten."
Die Zukunft entschieden ihr Gewissen und ein Sinn für Gerechtigkeit.

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16.07.2005

Erste Schritte in Freiheit

Am Rand eines Waldes wollte die Flüchtende ihr Quartier
aufschlagen. Vor einem Regenunterschlupf würde ein
Feuer lodern, dass sie mit Reisig und dickeren Äste ernährte.
Es gäbe Beeren und Pilze im Sommer. Doch sie wußte schon, dass es leider nur eine Frage der Zeit war, bis ihre schöne Vorstellung wie eine Seifenblase zerplatzte, denn irgendwann hätte sie vermutlich jemand als entflohenen Sträfling erkannt.
Der Förster hätte sie am lodernen Feuer aufgespürt, das sie doch brauchte, um zu Überleben im Wald. Dass sie im Knast die vorgegebene Zeit abgesessen hatte, stimmte sie froh, denn jetzt war sie ein freier Mensch. Sie war mit höchster Frequenz die Straße hinunter gelaufen, um den Bus zu erreichen. Er wollte noch gar nicht losfahren, aber als der Busfahrer ihren Elan sah, startete er den Bus. Ihm war der Fahrplan egal. Beim Einsteigen in den Bus grüßte sie den Fahrer, der fragte, wo es hin gehen sollte.
Das wird jetzt keine Liebesgeschichte zwischen dem Busfahrer und Frau Schulz, die zusammen den Bus kidnappen und damit die Landstraßen abfahren.
"Die Landstraße einmal hinunter bitte," meinte Frau Schulz.
Die Freigelassene floh in ihre Phantasie, die sie sich im Knast aufgebaut hatte, zunächst einmal im Bus sitzend. Sie betrachtete die Getreidefelder und den Himmel. Lange hatte sie den Himmel nicht mehr gesehen und die Wolken, die vorbei zogen. Nach zirka einer Stunde wurde ihr das Sitzen zu langweilig und der Benzingeruch vom Bus ging ihr auf den Magen. An irgendeiner Haltestelle in einem Forstgebiet hielt der Bus und sie konnte aussteigen.
Der Kiefernduft kroch in ihre Nase.
Das Grün der Blätter und Nadeln ließ die Brust aufatmen.
Sie ging den Forstweg entlang
und kam auf eine Lichtung.
Am Waldrand stand ein verlassenes Haus, das aussah wie ein kleines Schloss.
Das sollte ihr neuer Wohnplatz sein.

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17.07.2005

Ein Traum von einem Schloss

Das Schloss schien ein verlassenes Ferienobjekt zu sein,
wie es einige in dieser Gegend gab. In einer großen Halle standen
mehrere Plastikstühle übereinander, ein weißer Plastiktisch,
ein heller Schrank aus Sperrholz und drei Betten mit durchgelegenen Matrazen.
Sie legte sich auf ein Bett und schlief ein. Im Traum erschienen ihr
die sieben Zwerge und als sie tags darauf aufwachte,
musste sie lachen. Sie war überglücklich, diesen Platz gefunden zu haben.
Wo das Schloss genau stand, wusste sie nicht.
Sie musste nach Berlin fahren, um sich dort bei ihrer Bewährungshelferin zu melden, aber da Frau Schulz so schnell zum Bus gerannt war, wußte sie nicht mehr in welche Richtung sie gefahren sein könnte. Heute wollte sie zur Haltestelle zurückgehen und nachschauen, wo sie hier war.
In Berlin sollte sie sich bei einer Vermittlungsperson zwischen Knast und normalem
Leben melden.
In ihrem Rucksack hatte sie noch einige Stullen vom Essen mit dem Geschmack
des letzten Knastjahres und eine Kanne Tee. Sie frühstückte genüsslich an ihrem ersten Tag im Freien nach ihrer langen Gefangenschaft.

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18.07.2005

Schlossumgebung

Frau Schulz dachte, dass ihr Orientierungssinn hervorragend ausgebildet war. Doch heute musste sie sich eingestehen, dass auch sie sich verirren konnte. Sie verließ ihr Schloss auf dem nächstliegenden Weg.
Ihr Schloss lag an einem Waldweg, dem folgte sie bis er an einen Deich stieß. Dahinter sah sie einen Fluss. Dort verweilte sie einen Augenblick und schaute auf das fließende Wasser. Sie ging einen anderen Weg durch das Havelluch zurück und kam ins Dorf, wo sie nicht hin wollte. Drei Gestalten standen an einer Imbissbude und tranken ihr Morgenbier. Und bevor sie weiter suchte, ging sie wieder zum Wasser und den Weg, den sie gekommen war, zurück.

Sollte sie ihre Sachen im Schloss lassen? Frau Schulz legte ein Handtuch
über ein Bett, damit es so aussah als wäre das Schloss bewohnt wie es in Ferienhäusern üblich ist. Sie räumte Einiges ohne großen Plan auf.
Vor dem Schloss war ein Feld. Sie lief geradewegs auf das Feld zu und schaute sich die Pflanzen an. Es waren Kartoffeln, die offensichtlich im letzten Jahr nicht geerntet worden waren. Sie hatten sich von selbst ausgesäat und waren von allein
gewachsen, dachte Frau Schulz. Sie sah sich als wilde Kartoffelbäuerin mit Schürze und Kopftuch
vor einem blauen Himmel tanzen...

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19.07.2005

Frau Schulz als Kartoffelbäuerin

Frau Schulz stellte sich vor, wie sie hier von ihren selbstangebauten Kartoffeln lebte und hob ihren imaginären Rock
und sprang zwischen den Kartoffelreihen hin und her.
Einige Knollen waren schon zu sehen.
Sie holte einige aus der Erde heraus und legte sie auf den Weg. Sie waren noch zu klein, aber bis zur Ernte war noch etwas Zeit.
"Die Pflanzen brauchen Wasser", dachte Frau Schulz und rannte zum Schloss.
Drinnen gab es nicht einmal einen Topf oder eine Herdplatte zum Kartoffel kochen.
"Na schön, dann muss ich langsam in die Stadt fahren und einkaufen gehen."
Hinter dem Schloss stand ein verrosteter Wasserhahn.
Sie drehte ihn auf und zunächst spuckte er nur. In der Küchennische gab
es einen zweiten Hahn, der etwas verrostet war. Sie lief in die Hütte und drehte ihn auf. Auch der spuckte, "Spucken ist gut", dachte Frau Schulz, da ist das Wasser nicht völlig versiegt."
Sie drehte die beiden Hähne wieder zu und nochmal auf.
Es gab keine Veränderung. Dann packte sie ihren Rucksack mit etwas Tee, Broten,
einer langen Hose und einem langen Pullover und ging los.

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20.07.2005

Überm Feld ein vibrierender Schleier

Sie steckte sich eine Zigarette an und
lief über das Feld hinunter zur Landstraße.
Am Rand stand eine Reihe Bäume. Sie hatte lange keine gesehen und zählte die Bäume auf, die sie kannte,
Kiefern, Birken, Linden und Kastanien.
Auf dem Feld wuchsen blaue Kornblumen.
Das sah aus als hätte ein Maler blaue Mohnblumen ins hellgelbe Kornfeld getupft.
Über dem Feld schimmerte ein wehendes Tuch von der Sonnenhitze und die heiße Luft flirrte wie ein Insektenschwarm.

Da kam ihr jemand auf dem Fahrrad entgegen. Sie erkannte einen älteren Herren,
der mit einem Dackel unterwegs war. Er sah nicht unbedingt sympathisch aus. Vielleicht kannte er den Weg nach Berlin.
"Hallo" fragte sie, "wo gehts zum Bus?"
Der Mann antwortete ohne vom Fahrrad abzusteigen.
"Da sind se hier falsch. Se müssen sich mehr nach dort drüben halten."
"Wissen sie was mit denen aus dem Schloss am Waldrand ist?"
"Das gehört einer alten Dame aus Berlin, aber fragense mich nicht, wo die wohnt, hab die seit letztem Jahr nicht mehr gesehen. Kennse die?"
"Ich bin die Nichte."
"Dann fragense mal ihre Tante, wann se sich an das Abwassernetz beteiligt. Das müssen wir hier alle, och die aus Berlin, die denken sie sind was besseres. Man sieht sich." Damit verschwand er, die letzten Worte konnte sie kaum verstehen.

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21.07.2005

Eine Hoffnung keimt

Frau Schulz ging zurück zum Schloss. Vielleicht war
dort irgendein Hinweis auf die alte Dame aus Berlin.
Es lag vielleicht noch ein Brief drin oder es stand
ein Name am Zaun. Im Schrank lagen eine alte Zeitung
aus dem Jahr 2004 und eine Stromrechnung für eine
Frau Ida Münzer aus der Fontanestraße in Berlin.
Sie steckte sich den Brief ein, zog die Tür hinter
sich zu und ging zur Straße. Frau Schulz wanderte endlich
los bis sie in die nächste Ortschaft kam. Weseram
stand auf dem Schild. Der Bus fuhr erstmal nach
Gutenpaaren, dann stieg sie nach Potsdam um.
Sie hatte eine Telefonnummer von ihrer Bewährungshelferin
als ihrer Kontaktperson ins normale Leben wie sie noch den
Ausspruch ihrer Zellennachbarin im Ohr hatte. "Grüss die, die
an der Luft sind," schrie sie noch hinterher, bevor sich die
schwere Tür für Franziska öffnete. Die Dame im Amt meldete
sich hörbar genervt und meinte, dass sie sich morgen
noch mal bei ihr melden sollte. In Potsdam stieg Frau Schulz
um, hatte aber keine Lust hier zu bleiben. Ihre Eltern
wohnten hier und das alte Flair der Kindheit stieß sie doch
eher ab. Sie hielt sich deshalb hier nicht lange auf, sondern
fuhr gleich mit der nächsten S-Bahn nach Berlin. Am Bahnhof
staunte sie über das neue Center und darüber, was es dort alles
zu kaufen gab. Sie war etwas überrascht, dass sie von allen etwas
geschenkt bekam, sagte sich aber dass sie nicht selbst gemeint war,
sondern dass es Zufall war, wer hier vorbei kam und den Kugelschreiber,
die Zeitung, das Bonbon geschenkt bekam. Sie probierte ein Parfüm aus.
Jetzt roch sie nach Moschuss, Veilchen und Roseaktiv.
In der S-Bahn rieben sich die Mitfahrenden auffällig die Nasen und verständigten sich über Blicke, während sie Frau Schulz mit hochgeschraubten Brauen anschauten.

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22.07.2005

In der S-Bahn als Äffin

In der S-Bahn saß vor ihr eine junge Frau mit blaß rosa
geschminkten Lippen und verlaufenem Lidstrich,
den sie viel zu stark aufgetragen hatte, um ihre
Augen zu betonen. Sie verzog kurz das Gesicht
als ein Ansatz zu einem Lächeln und schaute
dann aus dem Fenster. Auch Frau Schulz blickte
zur Seite, ihre Gesichter spiegelten sich
im Fenster und sie schielten sich aus den
Augenwinkeln kurz an. Frau Schulz dachte an
nichts, genoß die Fahrt in die Stadt. Die Türen
öffneten sich, es stiegen Leute ein. Das Klingeln
läutete die Ausfahrt wieder ein. Eine Computerstimme
sagte die nächste Haltestelle an. Im nächsten Bahnsteig
passierte das Gleiche und das beruhigte sie, so streckte
Frau Schulz die Beine aus, kramte in ihrem Rucksack und nahm ein
Taschenmesser heraus. Das hatte sie im Potsdamer
Center gestohlen. Es mußte jemand verloren haben. Sie
klappte ein Messer nach dem anderen heraus und stellte
sich vor wie sie im kochenden Wasser die Kartoffeln
anstieß und nachprüfte, ob sie weich genug waren. Dabei stach
sie mit den Messern in der Luft herum und erschreckte einsteigende
Mitfahrende, die aber nichts sagten, sondern in das nächste
Abteil gingen. Die junge Frau vor ihr stieg am Potsdamer Platz aus.
Frau Schulz stand auf und schaute auf eine Karte mit dem Berliner
Streckennetz, das oben an der Decke des Zuges klebte.
Sie fuhr mit dem Finger eine Linie in der Luft ab, die sie
zur Friedrichstraße bringen konnte. Dann stieg sie schon
"Unter den Linden" aus, weil eine englische Touristengruppe einstiegen war und sie anglotzten als wäre sie die typische Berlinerin wie im Zoo.
Die Engländer waren etwas irritiert als Frau Schulz
einen Arm hochstreckte, sich unter den Achseln kratzte als würde es jucken und eine Äffin imitierte. Die hatten Glück, dass ich mein Messer nicht gezückt habe, dachte Frau Schulz.

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23.07.2005

Vibrierende Stadtfelder

Frau Schulz nahm sich zuviel vor, nach einigen
Minuten auf der Straße Unter den Linden wurde es
ihr schwindlig. Sie ging vorbei an den neuen Bauten
mit gläsernen Fassaden, blitzenden neuen Autokarossen,
Menschen mit Sonnenbrillen in Cafees auf der Straße,
die gekleidet waren als wollten sie zu einem
Vorsprechen in einem Film.

Frau Schulz entschied sich für die Fahrt
nach Pankow, um Frau Münzer zu besuchen. Nach
mehrmaligem Umsteigen kam sie in Wilmhelmsruh an und
suchte die Fontanestraße. Sie klingelte am Türknopf und
schaute hinauf zu dem Fenster hinter dem die Dame wohnte.
Der Türsummer wurde betätigt und Frau Schulz ging mit
klopfendem Herzen die Treppen hinauf. Sie war gespannt auf die Dame.
Von ihr hing es ab, ob sie in ihrem Häuschen in Weseram
bleiben konnte. Die Wohnungstür öffnete eine alte Dame und bat sie freundlich herein. Frau Schulz verhaspelte sich etwas und so wurde sie von Frau
Münzer nicht verstanden, die ein Hörgerät trug.
Frau Schulz war etwas irritiert, denn die alte Frau freute sich über Besuch und so saßen sie bald bei ihr am Küchentisch, auf dem Kaffee und Kuchen stand, den sie früher mit ihrer Oma zusammen gebacken hatte.

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24.07.2005

Besuch bei der Schlossfrau

Frau Schulz fragte die alte Dame,
"Wie geht es ihnen?"
"Heute hab ich eine Vase runtergehauen, die von der Nachbarin war. Die hatte sie auf meinen Balkon einfach gestellt."
"Haben sie die mit Absicht runtergehauen?"
"Nein, ausversehen," log Frau Münzer. Es gab also einen Kleinkrieg mit der Nachbarin. Die Balkone grenzten einander. Die Nachbarin hatte schon einmal etwas von einer Pflanze, die von Frau Münzer hinüber ragte abgeschnitten. Seitdem herrscht auf diesem Balkon ein eingespanntes Verhältnis, dessen Gleichgewicht mit aller Schärfe gehütet wird.
Frau Münzer überlegte einen kleinen Moment und schaute neugierig
auf ihre Besucherin herab und fragte,
"Möchten sie meinen Kuchen nicht?"
"Doch ich möchte ihren Kuchen."
Frau Schulz startete den Angriff.
"Frau Münzer haben sie einen Garten in Weseram?"
"Das wissen sie doch, dass ich einen Garten mit einer Hütte, fast ein kleines Schloss darauf habe, die Kartoffeln dürfen nicht vertrocknen."
"Darum bin ich hier. Ich möchte ihr Kartoffelfeld
pflegen. Dafür würde ich gern in ihrer Hütte bleiben."
"Mein Kartoffelfeld wollen sie gießen? Da ist doch
kein Wasser mehr."
"Das stimmt, darum würde ich mich kümmern."
"Die haben mich abgesperrt von der Wasserversorgung,"
erzählte Frau Münzer, "weil ich nicht bezahlt habe. So sind die dort."
"Ich kümmer mich darum, vielleicht wollen sie auch mal wieder in den Garten fahren. Dann hätten sie ein blühendes Kartoffelfeld vor der Nase."

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25.07.2005

Verwirrung

Es klingelte an der Wohnungstür von Frau
Münzer. Sie öffnete und in die Küche kam
eine resolute Frau Mitte Vierzig. Beide Frauen
standen vor Frau Schulz, die den
Kopf zwischen die Schulter zog und dachte,
"hoffentlich sagst du auch das Richtige."
Frau Münzer fragte, wer sie wäre, denn sie dachte,
dass sie als Vertretung für die Pflegerin gekommen sein.
"Ich interessiere mich für das Kartoffelfeld und
die Hütte von Frau Münzer," ging Frau
Schulz in die Offensive. "Aha, sie sind eine
Bodenspekulantin, weil eine Einkaufskette auf
dem Kartoffelfeld von Frau Münzer eine Filiale
eröffnen will?" "Nein, ich bin allein und suche nach
einer Bleibe und weil ich zufällig das Haus gefunden habe,
dachte ich, dass es vielleicht möglich wäre, dort zu bleiben.
Ich möchte dort gern wohnen und das Feld
bestellen." Das war vielleicht mit der Tür ins
Haus gefallen, aber es entsprach der Hoffnung,
die Frau Schulz hegte. "Ich bin zwar nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs,
aber meine grauen Zellen sind noch intakt. Zeig
doch erstmal, was du erbeutet hast," meinte Frau Münzer zu
ihrer Pflegerin, die etwas skeptisch schaute, aber dann begann ihren
Einkauf aufzuzählen. "Brot,Käse, Butter, Joqhurt, Nudeln, Tomatensoße, Tomaten,
Gurken, Zuchini und eine Flasche Wein aus dem
Biokaufhaus." "Bleiben die Damen zum Abendessen?"
fragte Frau Münzer. "Dann besprechen wir alles."

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26.07.2005

Knasterinnerung als Schatten

Frau Schulz saß bei Frau Münzer am Küchentisch.
Was sollte sie sagen? Ihr fiel nichts ein, plötzlich
entsann sie sich an eine Begebenheit aus dem Knast
und begann plötzlich zu heulen. Frau Münzer fragte,
was mit ihr sei. Frau Schulz wischte sich die
Tränen ab und entschuldigte sich, es war nichts
weiter, meinte sie. "So sah das aber nicht aus,
was ist denn los?" "Das kann ich nicht sagen, sonst
lassen sie mich nie in ihre Hütte." "Ich war jetzt
ein Jahr nicht mehr dort. Ein Ausflug würde mir
ganz gut tun. Holen sie mich doch morgen
früh ab." "Ja, dann geh ich jetzt noch etwas
spazieren." "Wo übernachten sie heute?" "Bei
einer Freundin," log Frau Schulz, denn sie hatte
sich für heute Abend nicht verabredet.
Sie hatte sich auch noch keine Gedanken gemacht,
wo sie heute übernachten sollte. Sie wollte einfach
im Park schlafen. Noch war es warm genug. Eine
Freundin anzurufen, war ihr zu riskant. Sie wußte
nicht wie sie reagieren würden. Was sollte sie
auch sagen, so der Knast ist vorbei, da bin ich
wieder, bin jetzt nicht mehr kriminell. Es hatte sie
auch niemand besucht im Knast. Alle waren völlig
fassungslos wie ihr die Eltern erzählten, aber
nachgefragt hatte auch keiner,
was wirklich passiert war.

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28.07.2005

Der verschwundene Tag

Am nächsten Morgen ging sie zu Frau Münzer.
Heute wollten sie beide nach Weseram fahren.
Als Frau Münzer sie jedoch fragte, warum sie
nicht gestern gekommen sei wie verabredet,
wunderte sie sich. Sie war in dem festen
Glauben gewesen, dass sie eine Nacht und nicht
zwei im Park Friedrichshain verbracht hatte.
"Wo soll der Tag geblieben sein? Es kann doch
nicht einfach so ein Tag verschwinden. Das
glaube ich ihnen nicht, dass heute schon
übermorgen ist und gestern als der nächste Tag
schon gewesen sein soll," überlegte Frau
Schulz. "Das ist ganz einfach, Katrin war
gestern hier, einen Tag nachdem sie hier
waren und heute auch wieder. Als sie hier
waren hatte sie Zuchini eingekauft, gestern
brachte sie mir Quark mit und heute
Porree." "Sie kann das auch alles an einem
Tag mitgebracht haben. Das ist kein Beweis
für einen verschwundenen Tag." "Der Tag
ist nicht verschwunden. Vorgestern hat es
nicht geregnet, dafür gestern und heute
wieder. Es regnet schon zwei Tage." "Das
habe ich nicht gemerkt." "Gut, ich kann
ihnen im Moment keinen Beweis dafür liefern,
dass sie einen Tag später als verabredet
hier sind. Dann fahren wir eben heute nach
Weseram, aber mir fällt unterwegs bestimmt
etwas ein."

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29.07.2005

Überraschung in Weseram

Franziska half Ida beim Aussteigen aus
dem Bus. Mittlerweile waren sie per Du.
Es regnete und sie mußten den Pfützen
ausweichen. In der Hütte erwartete sie
eine unangenehme Überraschung. Jemand
hatte die Bodenplatten entfernt und
geklaut. Eine Holzbohle lag noch im
Garten, die hatten die Diebe vergessen. Das
war sehr ärgerlich und Ida schimpfte über die
Dorftrottel. Vielleicht hatte jemand seinen Zaun
ausgebessert. Das ist eine Schweinerei,
meinte Ida. Sie wollte eine Anzeige
gegen Unbekannt aufgeben. Franziska
stand in der Hütte und auf der Erde.
Die Betten, der Schrank und die Stühle
waren in die Kochnische zusammen
geschoben worden. Sie holte zwei Stühle
auf die Terrasse heraus, damit sie
sich wenigstens hinsetzen konnten.
Ihre alte Dame mußte sich ausruhen nach
dem langen Weg. Sie hatten nicht an Wasser
gedacht. Franziska probierte noch einmal,
ob Wasser aus der Leitung kam, aber das war
vergeblich. Es tropfte nicht einmal
aus dem Hahn. "Da haben wir Einiges
vor uns," meinte Ida, "ich werde
meinen ehemaligen Kollegen anrufen. Er
soll sich um die Wasserleitung und um
den Fußboden kümmern." Sie war immer
noch sauer.

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30.07.2005

Die Kartoffel Linda

Sie schauten sich die Kartoffeln an. "Die
Blätter gelb, weil sie lange nicht
gegossen wurden und die Hügelbeete
nur noch im Ansatz zu erkennen," meinte Ida.
Die Erde hatte sich wieder gleichmäßig durch den
Regen verteilt. Ida erzählte von einer
Bauerninitiative für die Kartoffel Linda.
Deswegen hatte sie Linda auf ihrem Feld
gelassen, weil ein Kartoffelzüchter Linda vom
Markt nehmen wollte, um dafür eine Sorte
heraus zu bringen, die ertragreicher wäre.
Linda hatte einen guten Geschmack und ließ
sich gut für Salate und für Bauernfrühstück
verwenden, zerbröselte nicht gleich. Was
die Entwickler genau an der Kartoffel
verbessert hatten, konnte sie sich nicht
vorstellen. In diesem Jahr durften
Kleinbauern wie sie es war, Linda nicht mehr auf
dem Feld haben. Bei ihr sei es egal, weil
sie sowieso nur für den eigenen Topf anbaute
und die Restlichen im Keller lagerte. Der Züchter
hatte gegen die Kleinbauern geklagt, um seine
neue Sorte auf den Markt zu bringen. Das
widersprach an sich schon dem normalen Denken,
eine beliebte Kartoffel nicht mehr anzubauen,
um eine Andere, ohne sicheren Absatz verkaufen
zu wollen.

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31.07.2005

Die Leistungsfähigkeit einer Kartoffel

Ida meinte, "hol doch mal die Zeitung, die
im Schrank liegt. Da gibt es einen Artikel
über die Kartoffel." Franziska holte die
Zeitung und las vor, "Saatunternehmen will
Anbau von Linda verbieten. Im November lief
der dreißigjährige Linzenzschutz des
Pflanzenzüchters für Linda aus. Er entzog dem
Bundessortenamt die Zulassung. Ein Biobauer
hatte die erneute Zulassung und die
Verlängerung der Ablauffrist für drei Jahre
gerichtlich durchgesetzt. Damit Linda den anderen
lizenzierten Kartoffeln des Züchters keine
Konkurrenz machte, sollte sie vom Markt genommen
werden. An Linda konnte er nichts mehr verdienen.
Die anderen Bauern bräuchten für das Saatgut nichts
mehr zu bezahlen. Linda gab es seit 30 Jahren.
Jetzt soll auf Neuzulassung für Linda entschieden werden.
Dafür müßte die Kartoffel jedoch leistungsfähiger
sein als bisher, weil es das Sortenrecht so
vorsieht." "Linda bräuchte also bessere Pflege
als bisher," sagte Ida. "Deshalb wäre es ganz
gut, wenn du hier bliebest bis zur nächsten
Ernte." Franziska wollte gern in der Hütte
bleiben und hier im Grünen eine kleine Existenz
aufbauen. Die Kartoffeln wären erstmal nur
zum Eigenanbau gedacht. Da fiel Franziska ihre
Bewährungshelferin ein. Schnell rief sie bei
ihr an und erreichte leider nur den
Anrufbeantworter. Darauf hinterließ sie
zumindest eine Nachricht. Entschuldigte sich
für das Versäumnis, sagte dass es ihr gut
ginge und sie morgen wieder anrufen wollte.

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01.08.2005

Bummel in Weseram

Sie gingen ins Dorf. Außer einem Fleischerei-Imbiß oder einem Döner-Imbiß gab es keine Möglichkeit, etwas einkaufen zu gehen. Das Dorf ist lang gezogen und in der Mitte führt die Brandenburger Chaussee hindurch, die relativ stark befahren ist. Es gab eine Tankstelle, einen Friseur und eine Gaststätte mit Namen "Suse". Jetzt fuhren die Leute zu den Centern nach Brandenburg oder Potsdam. Im benachbarten Dorf Gutenpaaren war noch ein Lebensmittelladen.
Frau Münzer wurde von der Fleischersfrau noch erkannt. Es entspannte sich ein kurzes Schwätzchen über das Befinden. Ida stellte Franziska als ihre Nachmieterin vor, um die Nachricht im Dorf verbreiten zu lassen. Die Fleischerin fragte sie, wo sie herkäme. "Aus Brandenburg, ich war dort ein Jahr im Knast, wegen schweren Diebstahls. Meine Tante hat mich zu sich eingeladen. Wir bringen die Hütte wieder in Ordnung."
Der nächsten Kundin würde die Neuigkeit erzählt werden. Franziska bräuchte keine dummen Fragen, aber meistens sind es ja nur abschätzende Blicke zu ertragen. Neuigkeiten und Geschichten über neue Nachbarn wurden manchmal zu Phantasmen. Ob diese nun ausgedacht waren oder nicht, direkt nachfragen, gehörte nicht zum guten Ton. Die Geschichten bekamen ihr eigenes Leben und wollten am Leben erhalten werden. Wenn die Leute fragen würden, dann erführen sie etwas, was ihre Neugier befriedigte.
Draußen auf der Straße prusteten Ida und Franziska laut los über
das dämliche Gesicht der Verkäuferin, die so tat als wäre das eine ganz normale Geschichte gewesen. Franziska sprang neben Ida die Bordsteinkante hoch und runter und wurde etwas übermütig.

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02.08.2005

Der Wasseranschluss

Als sie zur Hütte kamen, stand ein Bekannter von Frau Münzer
mit einem Block und einem Kugelschreiber davor. Er war ein Handwerker in
Jeans und karriertem Baumwollhemd, in dessen Brusttasche ein Kugelschreiber und ein Notizblock steckten. Er war der Meinung, dass es nicht so schwer sein dürfte, neue Bohlen zu besorgen und die Pumpe wieder in Ordnung zu bringen. Sein Handy klingelte und er mußte leider gleich wieder los, wollte sich aber am nächsten
Montag melden. Er stieg in seinen Kleinwagen und brauste den Waldweg in
Richtung Fernverkehrsstraße davon. Frau Münzer sagte, "für uns wird es auch Zeit. Wir sollten wieder zurückfahren." Sie verriegelten die Hütte und gingen langsam zum Bus, um zurück zu fahren. Für Franziska blieb das Problem, wo sie übernachten sollte. Vielleicht rief sie doch eine Bekannte an oder schaute bei ihren Eltern vorbei.

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03.08.2005

Elternbesuch

Franziskas Eltern wohnten in Potsdam Babelsberg
im siebenten Stock. Ein Fenster sah so aus wie
das daneben. Die Häuserfassade war grau. Da
es schon dunkel war, konnte sie das Flimmern
der Bildschirme erkennen. Die Hauseingänge
sahen alle gleich aus. Sie klingelte bei
Schulz und hörte die Stimme ihrer
Mutter, "Hallo, wer ist da?" "Ich bins."
"Franziska?" Ihre Mutter fragte etwas
ungläubig, "Franziska bist du es?" Sie
hatte schon drei Bier getrunken. "Warte
ich komm runter." Der Türsummer funktionierte
nicht. Sie wartete einen Moment bis
zwischendurch zufällig die Nachbarin mit
ihrem Pudel herunter kam und ihr einen kurzen
abschätzigen Blick zuwarf. Franziska ging
ihrer Mutter entgegen. Auf der halben Treppe
trafen sie sich. Sie umarmten sich flüchtig
und ihrer Mutter traten die Tränen in
die Augen. "Wir dachten, du kommst erst
nächste Woche raus." Der Vater stand in der
Tür und meinte, "schön das du wieder
da bist." Franziska schaute in ihr
Zimmer, wo sie bis vor einem Jahr gewohnt
hatte. Es war nichts verändert. Nur auf
ihrem Schreibtisch stand ein Fernseher als
Geschenk. Sie setzte sich ins Wohnzimmer
und die Mutter brachte Wurst, Brot und
Butter. Sie saßen zusammen. Ihre Eltern
waren alt geworden. Die Mutter brachte
einige Briefe, die für Franziska gekommen
waren. Ihr Vater meinte, "nun lass sie
doch erstmal essen." "Ich hab dir deinen
Lieblingstee gemacht," meinte die Mutter
und wollte, dass es so schnell wie möglich
so sei wie früher. Morgen wäre sie wieder
die Tochter ihrer Eltern, könnte hier
wohnen bleiben und im Haushalt helfen als
wäre sie nie weg gewesen. Heute Abend
wollte sie dieses Gefühl genießen, das
Geborgenheit bedeutete, aber sie wußte, dass
sie bald schon wieder losziehen würde.

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04.08.2005

Poesiealbum

Am Abend kramte Franziska in ihren alten
Sachen, vorallem in einem ihrer kleinen Büchlein,
wo sie ihre Gedanken aufgeschrieben und illustriert
hatte. Ein solches Heft war ein
geheimer Ort und gut im Zimmer
versteckt. Dort fand sie folgenden Text.
"Die absolute Gleichschaltung der Subjekte
erforderte eine genaue Kontrolle. Ohne Kontrolle
wären die Subjekte von der Rolle und nicht mehr
zu beobachten. Was wäre noch zu beachten?
Dass der Bäcker frische Brötchen hatte für ein
großes Fest mit feiernden unkontrollierten Subjekten."
Es waren Informationen und Beweismaterialien für
Menschen in tausend Jahren, die den Text
entschlüsseln mussten, um die Erde zu retten.
Einfach schön sich diese alten Dinge anzuschauen
und zurückblicken zu können. Am nächsten Morgen
brühte sie sich einen Kaffee auf. "Das habe ich im Knast
gelernt, den Kaffee in eine Tasse zu machen und
aufzubrühen," meinte sie zu ihrer Mutter.
Die erwiderte, "deswegen hättest du nicht in den
Knast gehen müssen." Franziska hatte ein Zitat
aufgehoben aus "Sozialistische Sprichwörter der
DDR" und las es vor,"der Wettbewerbseifer unserer
Besten - vor allem der Rationalisten und Neuerer
ist durch die Betriebsleitung, zielstrebig zu
nutzen. Das erfordert die weitere Übergabe von
geplanten Ratio-Maßnahmen aus den
Intensivierungsschwerpunkten des Betriebes an die
Rationalisten und Neuerer."
"Eigentlich bin ich wegen einer Rationalisierung
in den Knast gekommen. Ich bin nicht kriminell,
sondern es wurde nur so ausgelegt. Eigentlich
hatte ich etwas Neues im Sinn." Ihre Mutter
schüttelte den Kopf und verstand nichts. "Komm
lass uns frühstücken," meinte sie.

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05.08.2005

Abhängen

Franziska schlief fast den ganzen Tag, schlurfte
nur ab und zu zum Kühlschrank. Trank einen
Schluck aus der Selterflasche, schmierte sich
eine Stulle mit Butter und legte eine Käsescheibe
drauf. Dann ging sie wieder ins Bett und
notierte "Müdigkeit" in ein Heft, dass
noch nicht voll ausgeschrieben war.
Am Abend kam sie mit dem großen Zeh an
den Fernseher und streckte sich nach der
Fernbedienung, blieb aber liegen. Dann flimmerte
irgendetwas vor ihr, maskenhafte übersteuerte
Damen und Herren in gesponserten Kostümen
sprachen von der Welt, die sie noch nie
gesehen hatte. Dabei schlief sie wieder ein.

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09.08.2005

Ein Traum und der Anfang einer Reise

Letzte Nacht träumte sie etwas. Davon blieb ihr noch ein bitterer Nachgeschmack im Mund. Zähneputzen half erstmal nichts. Franziska ging in die Küche und suchte nach etwas Trinkbaren.
"Worum ging es im Traum?", fragte sie sich.
Sie wußte noch, dass sie zum Schluss mit einem Bein über dem Lenkrad
eines Fahrrades hing, das andere Bein lief nebenher. Die Hände hatte sie auf
den Pedalen und der Kopf lag auf dem Gepäckträger.
"Das muss ich erst mal verdauen," dachte sie, "anatomisch betrachtet, war
das schon schwierig."
Im Knast hatte sie viele Alpträume gehabt, aber keine mit selbst laufenden Beinen und dem Kopf auf dem Gepäckträger. Mit diesem Eindruck ging sie zum Bäcker. Dort schauten sie die verschiedenen Kuchen in der Auslage und die Verkäuferin abwechselnd mit großen Augen an. Franziska nahm vier Brötchen. Auf dem Weg nach Hause kam sie an einer Tankstelle vorbei und betrachtete neugierig ein Paar, das mit zwei Fahrrädern und einer Menge Zeug auf dem
Gepäckträger unterwegs war. Sie kam auf die Idee eine Fahrradtour
zu unternehmen. Das leuchtete den Eltern zwar nicht ein,
die waren wie immer besorgt.
"So gruselig wie im Traum wird es schon nicht werden," sagte sie, "sowas muss auch erlebt werden, damit es wieder verschwindet."
Solche Sätze hatte sie in der freiwilligen Therapiestunde im Knast gelernt.
Im Keller stand ihr altes grünes Fahrrad, dass sie vor drei Jahren mit gelben Blumen bemalt hatte. Das war gar nicht so weit zurück, sie hatte ein Jahr Pause nach dem Abitur machen müssen, weil ihr Notendurchschnitt nicht so aufregend war, dass sie sofort einen Studienplatz bekommen hätte.
Irgendwo im Keller lagen auch noch die alten Fahrradtaschen ihres Opas herum. Die Sachen waren eingestaubt. Der hintere Reifen war platt. Dafür hatte sie das Flickzeug. Ihr Vater brachte eine Karte von der Neiße, denn "dort lässt es sich wunderbar fahren", meinte er.
Einem Kollegen von ihm hatte es auch gefallen. Die Kollegen ihres Vaters waren teilweise schon tod. Sie hatten zusammen im Kreiswehrersatzkommando die Technik gewartet. Deswegen hatte ihr Vater auch sämtliche Werkzeuge und Geräteteile mit dem Kennzeichen VEB noch im Keller.
Die Mutter winkte.
"Bis demnächst," rief Franziska.

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10.08.2005

Städtereise von Potsdam nach Görlitz

Die Reise bis Görlitz mit dem Zug war etwas anstrengend. Es waren noch andere Leute mit bepackten Fahrrädern unterwegs. Es war sehr voll und die Fahrräder wurden gestapelt. Bei einem Halt stieg ein Herr ein, dessen Alter schwer zu schätzen war. Er begann mit einem Monolog als der Zug anfuhr. "Ich bin ganz neu hier. Mein Fahrrad habe ich da abgestellt und ich fahre nach Görlitz. Der Zug fährt doch nach Görlitz?" "Der Zug fährt nach Görlitz," meinte Franziska. "Das ist alles neu für mich." "Für mich ist auch alles neu, ich bin hier auch noch nicht lang gefahren," antwortete ihm Franziska, während die anderen Fahrgäste sich einen Grinsten. Der hat die ganze Zeit in der Mitte des Abteiles gestanden und erzählt wie neu hier alles ist. In Görlitz stiegen sie zusammen aus. Sie fuhr auf die polnische Seite und suchte den Zeltplatz. Der Zeltwart war ein älterer Herr, der mit zwei anderen in seinem Büro beim Bier saß und Karten spielte. Die Glotze lief nebenher. Er schaute sie freundlich an und fragte, "sind sie allein unterwegs?" Dabei schaute er etwas ungläubig als wären sie bestimmt zu zweit und wollten ihn um das Geld für eine Nacht übers Ohr hauen. Da sie als Frau allein unterwegs war, hatten die Männer jetzt allen Grund zur Spekulation. Aber Franziska störte das nicht, sie hatte auch nicht die nötige Fantasie, um sich auszumalen, was die sich dachten. Sie baute ihr Zelt unter einem Apfelbaum auf. Die Äpfel waren noch nicht ganz reif, falls sie einen aß, riskierte sie einen Durchfall, sie kostete. Über ihr ragte ein schon vom Wind und Regen ergrauter Neubaublock und hinter den Hecken führte eine Straße vorbei auf der ab und zu einige Autos fuhren. Die Sonne schien durch den Zweige und diese ehemalige Autowerkstatt war fast idyllisch. "Hier kann man sich wohlfühlen," dachte sie. Franziska packte ihre Sachen in das Zelt und nahm ihre wertvollsten Dinge im Rucksack mit. Sie stieg aufs Fahrrad und fuhr den steilen Abhang zur Neisse hinunter bis zur Brücke, die Zgorzelec mit Görlitz verband. "Du lieber Schwan, das ist ganz schön protzig," dachte sie als sie die Kirche auf der anderen Seite des Flusses auf einem Steilhang stehen sah. Von der Brücke blickte sie der Neisse hinter her, die in ein Tal einbog und dann eine Krümmung nach links machte.

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11.08.2005

Stadtbummel in Görlitz

Franziska ging durch die verwinkelten Gassen und fragte sich, "wo die zu den Häusern passenden Leute sind, die hier so mit ihren Fassaden angeben?" An der alten Stadtmauer rankten grüne Pflanzen herunter. Im Stadtpark stand ein alter Kulturpalast im Jugendstil, wo Anfang des 20. Jahrhunderts Konzerte statt gefunden hatten. Dort war ein Foto von den vergangenen Tagen angebracht. Auf dem Foto zu sehen, waren die Damen des Chores in langen weißen Kleidern, die nach unten hin glockenförmig wurden. Die dazugehörenden Herren arrangierten sich auch einheitlich in schwarzem Frack und im nötigen Abstand hinter den Damen. So wandelten sie um einen viereckigen Platz in Gespräche über die Welt und die Musik versunken.
In der Görltizer Innenstadt schlenderten an diesem Sonnabendnachmittag gemächlich Touristen, vielleicht um ein wenig vom Glanz abzubekommen. Die meisten waren entspannt, nur die Älteren stolzierten wie zu Ostzeiten als trügen sie ihre Schrankwand mit sich. Sie ähnelten jetzt selbst einer Kristallvase oder einer Porzellanfigur, die sie jahrelang abgestaubt hatten. Einige Straßen waren noch nicht rekonstruiert; ungeputzt erschienen alte Reklameschrifen und gaben die Geschichte eines Hauses als Konsum zu erkennen. Am Abend sollte Straßentheater stattfinden, deshalb entschied sie sich bis zum nächsten Tag in Görlitz zu bleiben.

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12.08.2005

Straßentheaterfestival in Görlitz

Franziska ging abends zum Strassentheater. Sie hatte sich ein Programmheft gekauft, wo die einzelnen Künstler vorgestellt wurden. Am Nachmittag war sie mit ihrem Fahrrad durch die Stadt gefahren, um die einzelnen Aufführungsorte zu erkunden. Sie zeichnete sich auf dem Stadtplan eine Linie ein, die sie verfolgen wollte. Aufgeregt suchte sie den Untermarkt in Görlitz, wo die erste Gruppe auftreten sollte. Franziska wollte sich acht französische Tänzerinnen ansehen, die in ihrem Spiel eine Reise darstellten. Auf dem Markt warteten schon einige Menschen. In einer Ecke stand ein ausgebauter Marktplatztisch auf Rädern als Musikbox, der den Platz mit Opernmusik beschallte. Plötzlich drängelten sich die Umstehenden in einer Ecke des Platzes. Die Tänzerinnen kamen, Franziska sprang auf und wollte unbedingt vorn stehen. Sie sah die Tänzerinnen, die sich alt verkleidet hatten; eine kam mit krummem Rücken, die andere hinkend oder jammernd. Jede stellte ihren Koffer auf dem Platz ab und holte ein Erinnerungsstück heraus, eine Mütze oder Ballettschuhe und damit entdeckte jede eine persönliche Erinnerungsspur. Sie verjüngten in ihrer Kleidung. Die Tänzerinnen schlugen sich durch die Menge, die ihnen verblüfft hinterher sah und langsam hinterher ging. Gerade hatte Franziska sich einen guten Platz ergattert, da mußte sie ihn auch schon wieder aufgeben. Es gab aber kein großes Gedrängel und Geschiebe, sondern nur Erstaunen und Bewegung in den Reihen. Wenig später hatten die Tänzerinnen einen neuen Kreis um sich herum, fünfzig Meter weiter weg vom ersten und hopsten zusammen im Kreis, den Koffer auf die Straße aufschlagend bis sie ihr Requisit in der Mitte zu einem Kofferhaufen stapelten und sich den Zuschauer wieder zu wandten. Symbolisch nahm eine der anderen Brot weg und sie griffen daraufhin wieder zu ihren Koffern als wäre es eine Notwendigkeit wie das Stehlen von Brot, wenn nichts mehr da ist zu essen. Freßkampf tobt und die Habseligkeiten werden verteidigt. Wenn es kein privates Eigentum mehr gäbe, wären die Leute weniger neidisch aufeinander, hatte Franziska mal gedacht. Dann war sie wegen schweren Diebstahls in den Knast gekommen. Die poetische Performance war weiter gelaufen, während Franziska über sich selbst nach gedacht hatte. Auf der Straße wurde von den Performerinnen der nächste Kreis gebildet und sie gaben einigen Zuschauern Spulen in die Hand, von denen sie Fäden abrollten und in die Hand eines Gegenüberstehenden drückten, so dass die Umstehenden mit den Fäden ein Netz bildeten. Die Tänzerinnen ließen ihr Publikum mit den Fäden stehen und verschwanden darunter. Es herrschte eine kleine Verwirrung, denn keiner wußte genau, was er nun tun sollte. Schließlich wurde das Netz langsam wieder aufgelöst und Franziska applaudierte laut in beide Hände. Es wurde langsam dunkel.

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13.08.2005

Neisseradweg

Am Morgen duschte sie auf dem Campingplatz, packte ihre Sachen zusammen und setzte sich aufs Fahrrad. Sie fuhr zur Stadtbrücke über die Neisse. Dort war ein Künstler aufgetreten, der sich aus Spielkarten einen Turm baute und sich selbst oben drauf stellte. Franziska sah nur von Weitem zu, aber ihr wurde schwindlig bei dem Gedanken, dass er direkt an der Brüstung mit seinem Kartenhaus stand und hoffte darauf, dass er seine Kräfte gut einschätzen konnte. Sie wollte heute einige Kilometer bis nach Bad Muskau fahren. Das war ein langer Weg für jemand wie sie, der mindestens drei Jahre nicht mit dem Fahrrad unterwegs war, aber an dieser Stelle gab es erst den nächsten Campingplatz an einem See. Der Weg führte manchmal etwas über das Land, doch meist direkt im Tal entlang. Sie war noch etwas benommen von den Erlebnissen des Vortages. Franziska blickte abwechselnd auf die Karte und die Umgebung. Erst war es eine asphaltierte Straße, aber weil Sonntag war, nicht so stark befahren. Manchmal tauchte ein alter Hof an der Straße auf, mit einer Scheune und Obstbäumen. Auch eine alte Schule lag am Weg, der nun ein guter Fahrradweg war, sogar auf Asphalt, dass sie die Reifen rollen hörte. Die Neisse konnte sie nicht sehen, sondern nur einen Nebenarm. Sie kam an einer Mühle vorbei, die als Kneipe und Kunststätte ausgebaut worden war. Das Wasser des Nebenarmes hatte eine milchig braune Farbe wie schlecht schmeckender Kaffee aus einer Kaffeemaschine. Sie musste etwas über das Land fahren, der Weg folgte nicht der Neissebiegung, sondern machte eine Abkürzung über das Land. Dort stand irgendwo ein Landvermesser an einem Weg aus Betonplatten. Später war sie auf einem alten Postkutschenweg, der links und rechts mit Bäumen bepflanzt war. Sie kam an Feldern vorbei und an landwirtschaftlichen Betrieben, hohen Maisfeldern, Pferden auf der Koppel und Kiefernwäldern. Auf Sandwegen war es etwas schwieriger zu fahren, aber es hatte die Nacht über geregnet, so dass es nicht staubte.
Dann kam sie plötzlich in eine Märchenwelt. Aus kleinen Erdhügeln krochen Gestalten, die sich einen Tisch vor ihrer Tür deckten. Franziska hielt an und schaute ihnen neugierig zu. Der Himmel begann sich zu verdunkeln und es schien sich ein Gewitter zusammen zu brauen.

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14.08.2005

Im Märchen

Die Gestalten waren Wurzeln. Hier in diesem Park bauten die Leute alles aus Holz auf eine bestimmte Weise, die Franziska an das Schlumpfenland, Zwergenland im weitesten Sinn erinnerte. Es war schöner hier. Die Hütten gefielen ihr gut. Es ging nicht nur unter die Erde, sondern auch auf den Ästen hockten Bewohner. Jetzt konnte sie nicht länger vor sich hin träumen, sondern mußte sich einen Unterschlupf suchen. Sie fand ein Cafe, dass bewirtschaftet wurde. Bei Regen und Gewitter wurde hier niemand hinaus geschickt. Sie blieb die ganze Nacht hier. Franziska hatte ein kleines Zimmer mit einer Liege. Sie nahm ihre Sachen mit hinein. Ihr Fahrrad deckte sie mit einer Plane zu. Die Leute hier machten ein Feuer in der Mitte des Cafes. Sie reichten warme Getränke und Kuchen herum. Neben ihr saß ein junger Mann mit dunklen kurzen Haaren. Er hielt verträumt eine dampfende Tasse in den Händen und schlürfte ab und zu daran, in Gedanken versunken. Franziska schaute ihn an und lächelte. Als er einmal aus seinen Tagträumen aufwachte, lachte er herüber. Nach einer halben Stunde hatten sie die Entfernung von zwei Metern zwischen sich überbrückt. Sie saßen jetzt nebeneinander, aber es hatte noch keiner etwas gesagt. Draußen prasselte der Regen auf das Dach und drinnen knisterte das Holz im Feuer. Das war wie Musik. Franziska wurde müde und ging in ihr Zimmer nach nebenan.

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15.08.2005

Märchenhafte Begegnung

Heute wollte sie weiter fahren. Es hatte aufgehört zu regnen. Sie packte wieder ihre Sachen auf den Fahrradständer und schnürte das Zeug fest. Da kam der junge Mann neben dem sie gestern gesessen hatte vorbei.
„Guten Morgen“, sagte Franziska.
„Hallo, geht’s weiter?“
„Ja, ich fahr den Radweg heute weiter. Hoffentlich regnet es heute nicht mehr so stark.“
Er erzählte, dass gestern bei dem Gewitter sein Haus aus Holz etwas gelitten hatte. Franziska ging mit und ließ sich die Schäden zeigen. Neu lackiert mußte sowieso werden, aber am Eingang spülte das Wasser etwas Erde heraus, so dass sein Haus etwas nach vorn gekippt war, aber nur ein wenig.
„Ich bin übrigens Martin,“ sagte er.
„Franziska.“
Er nahm an, dass sie wahrscheinlich nicht solche Sorgen hätte und in einer festen Wohnung sei.
„Ich werde in einer Schloßhütte wohnen und habe da auch Probleme, z.B. mit der Wasserversorgung.“
Martin staunte, dass sie in einer Schloßhütte wohnte.
„Ich wohne in Weseram, das liegt auch am Fluß, aber ein solches Gewitter habe ich dort noch nicht erlebt. Vor einigen Tagen ist bei mir eingebrochen worden und die Leute haben mir die Bohlen raus getragen.“
Martin stimmte ein, „solche gibt es hier auch, einmal wurde eine ganz neue Holzladung geklaut. Ich möchte wissen, wer das mitgenommen hat. Wahrscheinlich jemand aus der nächsten Kleinstadt, der sich seine Laube getäfelt hat.“ Franziska nickte.
Martin fragte, „hast du denn heute schon gefrühstückt?“
Sie hatte noch nicht gefrühstückt. Martin machte Kaffee in seiner Höhle. Von innen konnte sie die Schäden noch besser sehen. Da war schon einiger Sand weggespült worden.
„Vielleicht wäre doch ein Baumhaus besser gewesen als eine Höhle,“ dachte Martin laut als er das Wasser auf den Kaffee goß.
„So habe ich meinen Kaffee auch immer gemacht wie im Knast,“ meinte sie. Er hatte noch etwas Brot, Butter und Marmelade. Sie saßen da und frühstückten. „Wenn du eine Hütte hast, dann muß ich die unbedingt mal sehen. Seid ihr auch so ein Märchen wie wir?“
„Das ist ein ganz normales Dorf und die Hütte stand frei. Es gibt sogar ein Kartoffelfeld davor. Ich habe die Frau aufgespürt, der das gehört. Das ist eine alte Dame aus Berlin. Mittlerweile duzen wir uns auch. Ida heißt sie. Sie kann eben nicht mehr Wasser gießen und Unkraut jähten. Da hat sie mir erlaubt, dort zu wohnen. Der Wasseranschluß ist aber noch ein Problem. Ich bin schon von einem Weseramer deswegen angesprochen worden. Da müssen alle ran. Die neue Wasser- und Abwasserleitung rentiert sich nur für die Stadtwerke, wenn da alle dran sind, ob die wollen oder nicht. Da ist ja eine Jauchegrube, die hätte mir erstmal gereicht. So ist das und bei dir?“
„Ich bekomme hier die beste Unterstützung. Ich bin Holzbildhauer und habe hier an den Hütten mitgemacht. Dafür durfte ich, wenn ich wollte eine eigene Hütte machen. Ich bin schon fünf Jahre mit dabei. Das ist wie eine große Familie. Manchmal denke ich, dass ich woanders hin müßte, um hier mal rauszukommen aus dem Märchen. Deswegen würde ich dich gern besuchen. Du gibst mir am besten deine Handynummer. Du hast doch ein Handy?“ Franziska gab ihm ihre Handynummer. Sie erzählten noch eine Weile, dann stieg sie auf ihr Fahrrad und fuhr los.

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16.08.2005

Ein Festumzug

Sie kam nicht weit vorwärts, denn als sie durch Rothenburg fuhr, war eine Wimpelkette über die Straße gehängt. Sie hatten Tische und Stühle quer über die Straße gestellt und kassierten für ihr Stadtfest. Franziska wollte dafür natürlich nicht bezahlen und konnte so durchfahren. Sie kam auf den Marktplatz, dort war eine große Bühne aufgestellt und jemand probierte den Ton aus. Es gab Holzbänke am Eingang des Marktes. Viele hatten sich dort ihren Platz schon gesichert, denn es sollte ein Umzug stattfinden. Es gab jede Menge Fressbuden. Sie schob ihr Fahrrad an den Leuten vorbei, die in Erwartung gespannt auf die Straße blickten, wo sie aber noch nichts sahen außer sich selbst gegenüber von jemand sitzen. Franziska sah eine dunkle Wolke über der Stadt herannahen und entschied sich hier abzuwarten, was da auf sie zukäme. Es fegte ein eisiger Wind durch die Straße und es begann zu hageln. Sie setzte sich in einen Imbiß, während die Leute unter Häusereingängen mit ihren Schirmen warteten. Franziska hatte nicht damit gerechnet, dass sie hier ihren Umzug durchzogen, aber naß kam der erste Spielmannszug und die Instrumente klangen blechern. Sie waren bis auf die Haut durchnässt. Franziska zählte sechs Schützenvereine, wobei der erste angeführt wurde von Herren, die fett im Auto saßen, während ihre jungen Mitglieder hinter her trotteten. Es kamen Bauern mit alten Maschinen, die zu Cabrios teilweise umgebaut waren. Fleischer und Bäcker aus der Region, Autohäuser machten für sich Reklame wie die nächste Disko. Es gab Wagen mit kleinen Kindern, die jeweils eine Cola vor sich stehen hatten und sich langweilten. Es gab einen Wagen, darauf saßen ein älteres türkisches Paar mit einer Puppe als Baby in der Mitte und drumherum gingen junge Frauen in Bikini und schwangen ihre Hüften. Alle Geschäfte der Region machten Werbung für sich. Franziska wurde wieder etwas übel und sie als die Sonne wieder durchkam, setzte sie sich auf ihr Fahrrad und düste davon den Umzug hinter sich lassend.

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17.08.2005

Am Kiessee

Der See in Halbersleben war eine ehemalige Kiesgrube. Die Bäume waren gerade so hoch gewachsen, dass an ihnen zu sehen war, dass dieser Platz nicht länger als zwanzig Jahre existieren konnte. Das Wasser war eisig und klar als sie eine Weile drin gestanden hatte, wurden ihre Füße und Waden grün. Es fehlten die Geister. Der Ort war noch nicht lebendig, sondern eben neu angelegt. Wie konnten die Geister wieder zurück geholt werden? Wie sah die Gegend vor dem Tagebau aus? Wo sind die Lebenwesen, die Pflanzen und Tiere dieses Platzes hingezogen? Vögel konnten über zehntausend Kilometer weit fliegen. Hier gab es noch kein natürliches Leben. Der See begann einige Algen auszubilden. Die Bäume und Sträuche waren hochgewachsen und in der Nacht kam ein Igel in ihr Zelt, angelockt von dem süßen Zeug, dass sie dabei hatte, aber es fehlte Zeit. Vielleicht war Zeit etwas, das mehr war als der Blick auf die Uhr, vielleicht bildete Zeit Gespenster, die da sein mussten aus der Vergangenheit, um die Gegenwart zu beleben. So wie der von Fürst Pückler angelegte Park angefangen hatte zu leben und die angelegten Blicke, Hänge und Wege nicht vordergründig als künstliche Landschaft zu erkennen waren.

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18.08.2005

Badeurlaub

"Das Wasser ist recht kühl," sagte ein großgewachsener junger Mann, der sich neben Franziska auf die Wiese legte. "Ja, anfangs ist es kühl, aber drin ist es sehr angenehm, nur das der Körper grün aussieht als wäre ich ein Frosch." Der junge Mann wiederholte, "am Anfang ist es doch recht kühl." "Ja," sagte sie erneut. Die Frau daneben lag nackt und auch der junge Mann. Franziska wechselte den Badeanzug, denn es war ein kühler Wind. Ihr kam es vor als lägen sie um eine riesige Badewanne herum. Alle lächelten sie an und sie fragte sich, wann diese Kulisse einbrechen würde. "So habe ich mir das vorgestellt," meinte der junge Mann. Er hatte über dem See gestern eine Wolke gesehen, wo innen drin ein Regenbogen war. Franziska meinte, "vielleicht hat es in der Wolke geregnet." Der junge Mann wunderte sich über das üppige Grünwerk am Ufer, dass im letzten Jahr noch nicht da war. Sie sah nur einige zwei Meter hohe dürre Weiden. Er verglich das Baden an manch anderen Seen, wo die Leute eine Handtuchbreite voneinander entfernt saßen als inmitten eine feindlichen Lagers, wo er eine Kampfausrüstung bräuchte, baden war aber etwas Sinnliches wie hier. Das gefiel Franziska und sie wagte einen Blick wie er nackend, weiß wie Käse mit Sonnenbrille auf der Nase und mit dem Kopf auf seiner Sporttasche lag und erzählte. Sie wurde langsam müde und bevor sie sich näher auf ihn ein ließ, leitete sie den Abgang ein. Eine etwas absurde Aktion sich nackt an einem See zu legen und deshalb verabschiedete sich Franziska wieder. "Jetzt kommt die Sonne wieder heraus, eben wurde es kühl, aber jetzt habe ich auch keine Lust mehr." Sie wünschte ihm einen schönen Tag und verschwand.

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19.08.2005

Containerstil

Vor dem See lag eine Wiese, die von einem betonierten Fußweg durchbrochen wurde und mit einer Reihe Pappeln die Liegewiese von der Campingwiese absetzte. Am Ende der Wiese zum Zelten war eine Hecke gepflanzt, die ungefähr zehn Meter hoch war. Im hinteren Teil lagen ein Fußball- Tennis- und Volleyballfeld. Die Leute zelteten in einer Reihe nebeneinander an der Hecke. Die Anlage war eine Wiese mit verteilten Baumgruppen und Fürst Pückler hätte angemerkt, dass der erste Anblick imponiere und ein Gemälde bietet, aber eben nur einmalig, weshalb der Eindruck derselbe bleibt. Franziska las in Fürst Pücklers Andeutungen über die Gartenkunst, die sie bei ihrem Besuch in Bad Muskau im Besucherservice durchblätterte. Der Fürst dachte sich Gebüsche, um die Aussicht zu unterbrechen und aus dem einem Hauptbild zugleich mehrere kleinere Bilder zu machen. Während hier nur ein einziger Weg durch die Grasöde führte, ohne alle Spur menschlichen Treibens, zum und vom im Containerstil aufgebauten hygienischen Zweckbau, der inmitten des Rasens kahl und kühl lag, während die Gartenanlage eines Privatmannes für Menschen hermetisch verschlossen bliebe, wollte stattdessen, die Landschaft nicht an die Tür herantreten.

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20.08.2005

Oderbruch

Heute fuhr sie mit dem Fahrrad mindestens 70 Kilometer und war jetzt auf einem Campingplatz in der Nähe von Guben. Hier traf sie auf einen blonden Mann, der sie mit einer Taschenlampe anleuchtete und sich vorstellte als Sicherheitsobmann. Franziska erschrak etwas als ihr das Licht ins Gesicht geblendet wurde. Sie dachte wohl eher an einen Erschrecker als einen für Sicherheit Verantwortlichen. Es hatten sich Jugendliche angemeldet, die heute Abend hier saufen wollten, aber der Campingwart hatte ihnen abgesagt. Sie sollten in eine Kneipe gehen, aber das war ihnen zu teuer. Sie kochte sich ihr Essen. Heute gab es Reis mit Zuchini. Der blonde Mann in den Fünfzigern setzte sich neben sie und begann ein Gespräch. Sie kamen auf Politik zu sprechen und wie die Ostler hier mit der Arbeitslosigkeit zu kämpfen hatten. Ihm wurde zwar eine Stelle als Sozialarbeiter in einem Heim für Alkoholkranke angeboten, die er ablehnte, weil sie ihm nur 700 Euro einbrachte. Mit der Sozialhilfe hätte er am Ende noch mehr Geld in der Tasche. So verbrachte er den Sommer hier draußen am See und quatschte mit allen Gästen. Am nächsten Morgen erzählte ihr der Campingwart, dass der Typ vom Vorabend sich stets Geschichten ausdenkt, aber sie eine gute Tat vollbracht hatte, weil sie ihm zugehört hatte. Es war noch eine Gruppe Dreißigerjähriger da, die sich ihre Zelte in einem Kreis aufgestellt hatten und sich so laut unterhielten und derbe Witze miteinander machten, dass sie es fünfzig Meter weiter auch noch hörte. Diese Landschaft hier war weit. In der Nähe stand das Kloster Neuzelle einsam in der Gegend. So gab es in den Kneipen hochprozentiges süßes Bier aus dem Klosterbräuerei der Mönche. Bier war die erste Droge dieser Gegend. In einer Gruppe saufen die Leute und fragen sich, ob sie den Versuchen, die durch den Alkohol auf den Bildschirm kommen, nun widerstehen oder nicht.

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21.08.2005

Überraschung in Weseram

Wieder in Weseram lag Franziska im Korbstuhl, den ihr während ihrer Abwesenheit Frau Münzer hingestellt hatte. Es war ein Zettel an der Tür mit der Bitte, sich wie zu Hause zu fühlen. Sie stand auf neuen Dielen, es gab einen Schreibtisch, eine Liege und einen Schaukelstuhl, in der Küche stand ein Tisch mit drei Stühlen. Das Mobilar nicht neu, aber es gefiel Franziska, dass sie vor Freude laut jauchzend in die Luft sprang und die Arme nach oben riss. Der Kühlschrank funktionierte wieder. Die Wasserpumpe hinter der Hütte funktionierte auch wieder. Sie ließ sich ins Bett fallen, starrte an die Decke und dachte wie schön. Bevor sie ihre Sachen auspackte, ließ sie sich ein wenig Zeit zum Nachdenken. Wäsche waschen konnte sie in der Schüssel mit dem Wasser aus der Pumpe. "Ein Beuler wäre nicht schlecht," dachte sie. So musste sie das Wasser auf dem Herd heiß machen und dann zur Wäsche kippen oder ins Abwaschbecken. "Die Kartoffeln müssen einmal am Tag gegossen werden," sagte sie sich.

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22.08.2005

Wasserkocher

Ihr Handy klingelte, während sie auf dem Feld stand und Unkraut heraus zog. Sie rannte in ihre Hütte. Am anderen Ende meldete sich Martin. Er wollte sie besuchen. Aufgeregt räumte sie in der Hütte auf, viel war nicht zu tun. Die Teller wusch sie ab, legte die Sachen übereinander. Als Martin aus seinem alten Polo ausstieg, lief sie ihm entgegen und sie umarmten sich. Sie liefen ein wenig um die Hütte, wobei sie sich immer wieder zwickten, so als müssten sie sich vergewissern, dass der andere wirklich da war. Franziska vergaß, dass sie noch auf dem Feld etwas zu tun hatte. Sie lagen den restlichen Tag auf dem Bett in der Hütte, dass immer wieder gegen die Wand stieß bis sie es schließlich in die Mitte des Raumes schoben. Sie hörte dem Atem und dem Herzschlag von Martin zu als er schon eingeschlafen war. Am nächsten Morgen klingelte der Wecker, weil sie vergessen hatte, ihn auszustellen. Sie klopfte ihn aus, zog den Bademantel an und ging auf den Topf hinter der Hütte. Es war ein Eimer unter einem Stuhl, der in der Mitte der Sitzfläche ein Loch hatte. Darauf hatte sie eine Klohbrille gelegt. In den Eimer füllte sie Wasser und goß ihn dann nach dem Benutzen auf den Komposthaufen. So hatte sie ein Wasserkloh. Dann pumpte sie sich Wasser aus der Erde für einen Kaffee, ging in die Küche, stellte den Wasserkocher an und schaute auf ihr Kartoffelfeld heraus. "Die Erde sieht etwas trocken aus und es fehlt etwas Humus", dachte sie, während sie von Martin von hinten umarmt wurde und er sagte, "na, kleine Bäuerin." Sie klapste ihm auf den Hintern, sie küssten sich und fielen ins Bett. Als sie wieder aufstanden war im Wasserkocher kein Wasser mehr drin und er zischte vor sich hin. Sie ging nochmal zur Pumpe, holte Wasser und stellte ihn wieder an.

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23.08.2005

Verdienter Schlaf

Die Nacht nutzte sie ausnahmsweise einmal, um sich auszuschlafen. Gestern hatte sie einige Liter Wasser aus der Erde gepumpt. Sie hatte noch keine Tonne, in der sie das Regenwasser auffangen konnte. Franziska schüttete bestimmt fünfzig Kannen Wasser auf das Feld und es reichte noch nicht aus. Sie mußte sich etwas einfallen lassen. Vielleicht träumte sie etwas. In ihrem neuen zu Hause schlief es sich wunderbar.

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24.08.2005

Am Morgen

Franziska freute sich über alles. Darüber dass sie die Kartoffeln hatte, über das Wasser aus der Pumpe, über ihr kleines zu Hause, über ihren Freund, alles schien perfekt. Sie lag in ihrem Bett und dachte darüber nach wie schnell es gegangen war, dass sie so glücklich hier liegen konnte. Das war ihr alles etwas unverständlich. "Wie schnell das alles gegangen ist," sagte sie vor sich hin. Vor sechs Wochen war sie aus dem Knast gekommen und wußte eigentlich nicht, was sie in Zukunft anstellen sollte. Nur das Geld wurde ihr im Prinzip für die nächsten drei Monate gesichert, aber bald kam das Beantragen von Arbeitslosengeld. Vorher musste sie sich noch anmelden beim Amt, dass sie hier wohnen bleiben durfte. Die Anträge konnte sie nicht etwa bei ihrer Bewährungshelferin abgeben, sondern sie musste selbst zu den Ämtern. "Die ist doch froh, wenn ich nicht bei der auftauche," dachte sie, "dann hat sie weniger Arbeit." Das ging ihr durch den Kopf als sie am Morgen neben Martin aufgewacht war. Eigentlich hatte sie auf diesen bürokratischen Quatsch überhaupt keine Lust, aber es musste ja sein. Martin wachte langsam auf und blinzelte sie an. "Du bist schon wach?", fragte er. "Ich bin schon seit drei Stunden wach. Ich werde doch immer beim ersten Sonnenstrahl wach, aber jetzt bin ich deshalb schon wieder müde." Sie drehte sich in die Decke und richtete sich als Gespenst auf, dass den Geliebten zum Kloh verfolgt. "Huhuhuh ich bin die Gespensterdecke und verfolge das Gespensterkissen." Sie schmiss Martin das Kissen an den Kopf. Martin bedeckte seinen nackten Hintern mit dem Kissen. "Huhuhuh ich bin das Pokissen und die Gespensterdecke jagt mir keinen Schrecken ein." "Das Gespensterkissen bekommt Zähne und beißt in das Pokissen." "Das macht dem Pokissen nichts." "Ach so dann werde ich ein riesengroßes Monsterkissen, dass das Gespensterkissen aufgefressen hat und mit einem U-Boot in den Ozean sticht, Amerika entdeckt, die Wüstenwürmer in Gobi und das Luftdrehkreuz über dem Hochhäusern von New York." "Das Pokissen verwandelt sich in ein Frankensteinkissen. Ich bin das Monster und fresse die Hütte, alle Kartoffeln, die Pumpe und die ganze Siedlung hier auf und spucke sie wieder in Afrika aus. Dann reicht deine Pumpe nicht mehr aus." "Vielleicht doch," meinte Franziska, "die Pumpe reicht doch fünf Meter tief. Das reicht vielleicht auch in Afrika." "Weißt du wie hoch der Wasserspiegel in Afrika ist?"

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25.08.2005

Morgenaktivität

Martin wußte nicht wie hoch der Wasserspiegel in Afrika war. Aber er meinte, dass die Wüste dort wandert. Wo heute Wüste ist, war früher Wasser. Franziska erinnerte sich an den einen Campingwart, der hatte ihr erzählt, dass deren Wassermenge aufgrund des herankommenden Tagesbaus um einige Meter verschwunden sei. Es zeigte am Strand den Wasserspiegel wo er vor einigen Jahren noch war und wo er heute liegt. Dabei holte sie Wasser. Sie putzten sich im Eimer hinter der Hütte, stellten Wasser auf den Herd und schmierten sich Brote.

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26.08.2005

Unangemeldeter Besuch

Martin hatte sich kaum angezogen als es an der Tür klopfte. Wer konnte das sein, fragte sich Franziska. Sie spähte hinter der Gardine hinaus und sah eine Frau mit einem Notizbuch in der Hand. Es wurde nochmal geklopft, dann öffnete sie es war die Bewährungshelferin aus Berlin. "Wie haben sie mich denn gefunden?", fragte sie. "Sie haben mir doch selbst ihre Adresse gegeben." "Worum geht es?" "Darf ich reinkommen?" "Wenn es sein muß" "Wem gehört die Hütte," fragte die Frau. "Die Hütte gehört Frau Münzer aus Pankow." Sie notierte sich die Adresse von Frau Münzer. "Seit wann wohnen sie hier?" "Seitdem ich draußen bin. Können wir raus gehen?" Franziska war es peinlich vor Martin, der nicht wußte, dass sie im Knast war. Eigentlich hatte sie es auch nicht vor, ihm zu erzählen. Aber die Frau hatte es sowieso eilig, mahnte nur an, dass sie sich beim Arbeitsamt melden sollte und gab ihr die Adresse. "Kommen sie noch mal?" "Es ist doch erstmal alles in Ordnung. Sie haben meine Telefonnummer falls sie etwas brauchen. Wir wollen uns nicht unnötig Arbeit machen. Sie sind kein schwerer Fall. Dann werde ich nicht noch einmal sie belästigen. Es gibt da andere Fälle." "Auf Wiedersehen." Es schien Franziska, dass sie nun endlich dieses Kapitel geschlossen hatte. Martin stand fragend im Zimmer. "Wer war das?" "Das erzähle ich dir bei einem Spaziergang. Komm wir gehen in den Wald. Dann muss ich arbeiten."

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27.08.2005

Morgenspaziergang

Sie waren früh aufgestanden. "Die Bewährungstante muss um acht vor der Tür gestanden haben," dachte Franziska. An schattigen Plätzen im Wald hatte sich noch der Morgentau gehalten. Es waren außer ihnen die Vögel auf, die fangen schon um drei Uhr an zu singen. Die hatte sie im Knast auch immer gehört. Jede Menge Käfer flogen um sie herum. "Schön, dass sich die Natur immer wieder erholt," sagte Franziska und hakte sich bei Martin ein wie ein Ehepaar, dass schon dreißig Jahre zusammen wohnt.

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28.08.2005

Am Vormittag

Hinter der Hütte fand Franziska in einem Schuppen einen Gartenschlauch, den sie an den Wasserhahn anklemmte und auf das Kartoffelfeld zog. Martin drehte das Wasser auf, aber es kam nicht bis zu ihr nach vorn, denn es war ein Loch im Schlauch. Martin holte sein Flickzeug aus der Fahrradtasche und begann mit dem Flicken. Es waren zirka zehn kleine Löcher.

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29.08.2005

Mittagshitze

Nachdem sie ihr Feld gegossen hatten, mussten sie erstmal eine Pause machen. "Jetzt kochen wir uns Spagetti und Tomatensoße," meinte Franziska "und dann gehen wir wieder ins Bett."

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30.08.2005

Temperaturschwankung

Die Mittagshitze war kaum auszuhalten. Die Sonne knallte direkt auf die schwarze Teerdecke. Sie öffneten das Fenster hinter der Herdplatte, die auf dem kleinen Küchenschrank in einer Nische stand, das gegenüberliegende Fenster in dem Zimmer, die Tür im großen Zimmer zur kleinen Veranda, das Fenster in der Mitte der Wand und gegenüber der Tür nach hinten raus zum Schuppen. Zum Glück stand ihr Schlösschen unter einer Baumgruppe, die Schatten und Kühle brachte. Ein Strauch stand am Ende der Platten neben einer imaginären Eingangstür und markierte wohl die Grenze nach links. Eine wild gewachsene Hecke schloss sich an einer Seite an, währende rechts ein Weg vorbei führte hinter dem ein Kiefernwald begann. Sie hatte noch niemanden diesen Weg entlang gehen sehen. Franziska entdeckte an ihm eine erste Marotte. Er maß ständig die Temperatur. Beim Spagettikochen hatte er ein Thermometer, dass er in das Wasser hielt. "Es kocht nie bei einhundert Grad Celsius," meinte er. Es gäbe immer eine kleine Abweichung. "Vielleicht liegt es an deinem Thermometer," meinte Franziska. Martin notierte sich seine eigene Temperatur in einen kleinen Block. Heute Morgen hatte er 0,1 Grad weniger als sonst. Er meinte, dass es daran liege, weil er nicht wie sonst in seiner Höhle unter der Erde schlafe. In der Mittagshitze hatte er diese 0,1 Grad aber wieder drauf gepackt. Sie rollte mit den Augen. "Ein Quatsch," sagte Franziska, "was hast du denn davon, wenn du ständig die Temperatur weißt?"

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31.08.2005

Gießen

Aufgrund der großen Hitze mußten sie einfach nochmal gießen. Der Schlauch war geflickt, sie klemmten ihn an die Pumpe und pumpten abwechselnd. Das Wasser breitete sich in den Kartoffelfurchen aus und floß bis an das Ende des Feldes, das leicht abfiel. Einer hielt den Schlauch in die Höhe, damit sie nicht nur die Erde zwischen den Pflanzen wässerten. „Ich denke in zwei Wochen können wir ernten,“ meinte Martin. „Bei dieser Hitze werden die Kartoffeln schneller reif. Du mußt aufpassen, dass sie dir nicht vertrocknen noch am Ende.“ Franziska freute sich schon auf die Ernte. Sie hatte eine Mistgabel und damit wollte sie die Knollen aus der Erde holen und in Kisten im Keller lagern.

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01.09.2005

Früher Abend

Am Abend stellten sie sich einen Tisch auf die Veranda. Sie hatten am Morgen Wiesenblumen gepflückt, die sie in einer Vase auf den Tisch stellten. Es gab noch keine Kartoffeln. Sie machten sich einige Stullen, dazu Tomaten und Gurke. Franziska lehnte sich im Stuhl zurück, legte ein Bein auf den Tisch und genoß die Aussicht. Sie fühlte sich als könnte sie die ganze Welt umrunden mit einem Schritt. Martin maß wieder einmal seine Temperatur und die der Außenwelt. Es schien alles im grünen Bereich und so konnte er sich auch entspannt in seinem Stuhl zurück lehnen. Sie hatten sich eine Flasche Wein aufgemacht. Auf dem Tisch brannte eine Kerze und in der Dämmerung surrten verschiedene Insekten vorbei.

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02.09.2005

Später Abend

"Maulwürfe graben Untertage und finden schlechtgewordene Erfahrungen, die man früher als gut empfunden hat." Martin war etwas angetrunken und begann zu philosophieren. "Da wo unser Problem ist, graben wir nun und pflanzen einen Baum, damit unser Problem zum Himmel stinkt." Franziska war etwas irritiert und wich den letzten Weintropfen aus, die aus seinem leer getrunkenen Glas spritzten. "Das scheint mir ja ein schöner Märchenwald zu sein, in dem du wohnst," sagte Franziska spitz. "Ich will dir mal was sagen," begann Martin in betrunkenem Oberlehrerton und kraftvollen Gesten, die etwas zu lang ausschwangen und so ihre Rede unterstützende Funktion als energische Geste verloren. Franziska lachte laut auf. Das brachte Martin in Rage. Er stand auf, "ich will dir mal was sagen," begann er erneut, "ob ich im Märchenwald wohne oder draußen in einer schicken Hütte, das ist ja wohl das Gleiche." "Nicht ganz," widersprach Franziska, die nicht soviel getrunken hatte. "Ein Märchenwald ist ein Märchenwald also so ein selbstgebautes Kartenhaus für ewig, da ist eben alles wie im Märchen," sie verhaspelte sich etwas. "Das Thema ist schwierig," begann sie erneut, "jedenfalls ist das was anderes als eine ordentliche Hütte mit Wasser- und Stromanschluss, echten Nachbarn, der unfreundlichen Bäckerin, dem korrupten Bürgermeister. Die ganzen stink normalen Leute hast du in deinem Märchenwald nicht. Da gibt es nur Maulwürfe und deine Kollegen. Ihr redet doch selbst von draußen. Also seid ihr da auf einer Insel." "Na und!" Martin hatte es geschafft sich wieder zu setzen, nachdem er den Platz zwischen den Armlehnen abgeschätzt hatte und war eingeschnappt.

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03.09.2005

Morgennöte

Die Nacht hatten sie eng umschlungen verbracht. Als Franziska aufwachte, saß Martin schon im Stuhl allerdings noch in die Decke eingepackt. Er machte Grimassen als würden zehntausend Ameisen auf seinem Gesicht tanzen. "Guten Morgen, alles in Ordnung?" fragte sie. "Mir geht es nicht gut," sagte Martin, "ich habe vierzig Grad Fieber." Franziska betastete seine Stirn und blickte ihm tief in die Augen und mußte lachen. Ihm war nicht zum Lachen. "Außerdem habe ich schlecht geträumt," gab Martin zu Bedenken und Späße seien da nicht angebracht. "Zeig mir erstmal dein Thermometer," versuchte sie sachlich zu bleiben. Sie schüttelte es und es blieb bei der gleichen Temperatur. "Es ist kaputt." Sie schüttelte es noch einmal demonstrativ und zeigte es Martin. Sein Gesicht hörte auf zu zucken. "Vielleicht war das Spagettiwasser zu heiß und deshalb ist es kaputt gegangen. Was hast du denn geträumt?" "Von den sieben Zwergen." "Das habe ich auch schon mal geträumt, das liegt an der Hütte. Hier träumt man eben Märchen." "Ich will wieder nach Hause fahren," jammerte er. "Wenn du willst, aber erst frühstücken wir. Du hast mir vielleicht einen Schreck eingejagt."

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04.09.2005

Liebeskummer

Franziska war traurig als Martin weg fuhr. Ihr kamen Tränen in die Augen. Dann sagte sie sich, „So.so.so. Ich habe zu tun. Es muß eine Regentonne besorgt werden.“ Sie zog los ohne auf die Uhr zu schauen wie spät es war und ging den Ziegeleiweg hinunter. An der Kreuzung konnte sie sich entscheiden, ob sie jetzt zum Dorf oder zum Deich wollte. Sie hatte genügend Zeit, um noch mal zum Deich zu gehen und Martin etwas nach zu trauern. Das Wasser strömte gleichmäßig. Sie sah das vor Kurzem etwas mehr Wasser im Flußbett war, wahrscheinlich durch den starken Regen. Aber es sank schon wieder ab. Ein Angler hatte sich am Ufer versteckt, den sprach sie nicht an. Dann lief sie den Weg zurück ins Dorf vorbei an einem ehemaligen Stall und am Schießstand des Schützenvereins, auf die Schnellstraße zur rosa Kirche bis zum Fleischerimbiß. Sie fragte die Verkäuferin, ob sii wüßte, wo sie eine Regentonne her bekommen könnte. „Wes ich nich,“ war die Antwort. Sie ging weiter an der rosa Kirche vorbei. Vor dem Dönerimbiß saßen drei Männer und tranken einen Kaffee. Sie holte sich auch Einen und fragte den Verkäufer. Der fühlte sich nicht ernst genommen. Die Männer hatten ihre Frage gehört und begannen zu lachen. Einer von ihnen kam aus dem Dorf und meinte, dass er eine Regentonne gesehen hätte, aber nicht mehr wüßte wo. Sie ging die Straße hinunter und sah auf einem offenen Grundstück eine Regentonne stehen. Es war niemand zu sehen. Sie kippte das Wasser aus und rollte die Regentonne weg nach Hause und stellte sie unter ihre Pumpe. Franziska begann zu pumpen. Nachdem sie die Hälfte etwa voll gepumpt hatte, machte sie eine Pause. Sie mußte wieder an Martin denken. Sie setzte sich Wasser auf für einen Kaffee. Es kam der Briefbote vorbei und übergab ihr einen Brief von der Bewährungshelferin. Sie machte ihr die Auflage nach Potsdam zu fahren und sich beim Arbeitsamt zu melden. Dann pumpte sie weiter und konnte ihren Schmerz darüber, dass ihr Geliebter wieder abgefahren war nicht richtig verdauen. Er fehlte ihr so.

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05.09.2005

Liebeskummer...

Sie hatte keinen Hunger und setzte sich lustlos auf ihr Fahrrad, um nach Potsdam zu fahren. Sie fuhr bis zur nächsten großen Kreuzung vorbei an Äpfelbäumen. Dann die Brandenburgische Chaussee hinunter.

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06.09.2005

Stimme aus dem Off

Franziska war traurig, stellte sich einen Stuhl vor die Hütte und schaute auf ihr Feld. Die Sonne stand hoch am Himmel und die Kartoffeln bekamen langsam eine gelbe Farbe. "Erntezeit," sagte eine Frauenstimme. "Was mach ich mit den geernteten Kartoffeln?" fragte sich Franziska. "Im Keller lagern," sagte wieder eine dieselbe Stimme, aber Franziska sah niemanden. Am Ende ihres Feldes schloß sich ein Weiteres an. dort saßen zwei ältere Damen ebenfalls vor ihrer Hütte, aber das war hundert Meter entfernt. Ihr fiel ein, dass sie die Frauen bisher noch nicht gesehen hatte. "Geh doch die Nachbarn begrüßen," hörte sie wieder die Stimme. Franziska stand auf, machte die Tür zu ihrer Hütte zu und ging den Weg hinunter zu den beiden älteren Frauen, die Stimme verdrängend.

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07.09.2005

Die beiden Alten von nebenan

"Hallo," fragte Franziska vorsichtig an, "ich wohne nebenan." Die Alten schauten sich an und grinsten erstaunt. "Wohnen sie schon lange hier?" Die Zwei sprachen immer noch nicht. Vielleicht waren sie ja taubstumm. "Haben sie das Kartoffelfeld angelegt?" Die beiden treten sich um. Das war Franziska alles zu rätselhaft. Sie ging durch die Gartentür und lugte um die Ecke, wo sie saßen. Dort saß niemand mehr. Verwundert ging sie zurück zu ihrer Hütte.

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08.09.2005

Die Geschichtenschreiberin

Franziska ging etwas verwirrt wieder zur Bank vor ihrer Hütte. Da hörte sie die Stimme wieder und dachte ich unterhalte mich doch nicht mit einer Stimme, die ich nicht kenne. So schnell konnte sie niemand aus der Fassung bringen. Sie machte sich ihr Abendbrot, etwas Wein und Brot dazu mit Käse wie gestern. Franziska dachte an Martin und schaute auf ihr Handy, ob eine Nachricht eingetroffen war, aber es kam keine. "Der meldet sich nicht mehr," hörte sie wieder die Stimme, "wenn ich es nicht will." Franziska aß ihr Brot und konzentrierte sich auf die Sonnenstrahlen, die durch die Blätter hindurch auf ihr Kartoffelfeld fielen. Martin wird mich morgen anrufen, dachte sie. "Martin ruft nicht mehr an," sagte ihr wieder jemand. "Du nervst," raunte Franziska und ärgerte sich, dass sie reagiert hatte. "Wenn er wieder kommt, dann schreibe ich es in die Geschichte," hörte sie wieder. Dann schreibe ich es in die Geschichte, wiederholte Franziska für sich. Sie rief ihn an, aber er meldete sich nicht. "Nicht du, ich schreibe es in die Geschichte," die fremde Stimme nervte. Franziska wurde übel. Sie konnte nicht beeinflussen, dass Martin wieder kam, wurde ihr klar. Jedenfalls fiel ihr nicht ein, was sie dafür tun konnte. "Ich kann nur anrufen und je öfter ich anrufe, um so mehr nerve ich ihn. Wenn ich nichts unternehme, denkt er mir liegt nichts an ihm. Ich werde etwas machen müssen und abwarten. Angerufen habe ich jetzt. Morgen rufe ich nochmal an und dann warte ich wieder ab, damit ich ihn nicht nerve." Die Unbekannte mischte sich wieder ein. "Du denkst immer noch, dass du den Verlauf der Geschichte beeinflussen könntest, aber das kannst du nicht. Ich schreibe die Geschichte und wenn ich Martin weiter für deine Geschichte brauche, dann bleibt er dabei." Franziska fragte, "wer bist du?" "Das habe ich schon gesagt, ich bin die Geschichtenschreiberin." Franziska wurde wieder übel. "Welche Geschichte?" Die Unbekannte überlegte kurz wie sie Franziska sagen sollte, dass sie nur eine ausgedachte Figur war. Sie wollte sie nicht verletzen. "Welche Geschichte?" hörte sie Franziska fragen und traute sich nicht ihr die Wahrheit zu sagen. "Ich überlege wie ich es dir am besten erkläre Franziska," meinte die weibliche Stimme, "du bist.." "Ich bin?" "Ich habe mir dich ausgedacht." Nun war es in aller Brutalität gesagt. Franziska verstand es nicht, brachte den leeren Teller und das leere Glas in ihre Hütte und hatte keine Lust mehr über irgendwelche Stimmen und Geschichtenerfinderinnen nachzudenken. Sie hatte noch die Aufgabe ihr Kartoffelfeld zu gießen, denn heute hatten die Pflanzen sehr viel Sonne abbekommen.

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09.09.2005

Zeit zum Nachdenken

Franziska ging in ihre Hütte, um über alles nachzudenken. jetzt war sie allein. Wir wollen sie nicht weiter dabei stören. Die Geschichte geht morgen weiter.

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10.09.2005

Tagwerk

Sie stand frohgemut auf und hatte gut geschlafen. Franziska begrüßte die beiden Alten, die ihrem Garten arbeiteten. Sie begann ihr Tagwerk und das hieß als erstes Gießen. Nachdem sie sich eine Kaffeekanne gebrüht hatte und belegte Brötchen auf einen Teller gestellt hatte. Heute Nacht hatte es geregnet und ihre geklaute Regentonne war voll mit Wasser. Das freute sie und sie entnahm einige Kannen Wasser und trabte damit zum Feld. Die Arbeit schien ihr heute leichter als gestern. Sie hatte auch einige Muskeln in den Armen und an den Schultern bekommen. Die Fahrradfahrt vor einer Woche machte sich bemerkbar. Sie aß wieder mehr und genoß es draußen zu sein an der Luft. Gießen hieß pumpen. Damit war sie tagtäglich beschäftigt. Sie wollte die Kartoffeln noch nicht heraus holen. Später mußte sie Dünger holen und damit die Erde anreichern. Sie sollte sich vielleicht mit den beiden Alten beraten, was sie im nächsten Jahr in die Erde bringen sollte, wegen des Fruchtwechsels, mit dem der Boden auf natürliche Weise Nährstoffe bekommt.

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11.09.2005

Immer das Gleiche

Franziska stand früh auf, machte sich ihren Kaffee, setzte sich auf die Terrasse und blickte auf ihr Feld. Dann ging sie hinter das Haus und begann zu pumpen. Sie brachte das Wasser auf das Feld und den Pflanzen ging es gut. Sie konnte die Knollen beobachten wie sie langsam wuchsen. Sie genoß immer noch die Zeit, die sie trotzdem für sich hatte und träumte vor sich hin. Franziska stellte sich vor wie sie mit Martin zusammen kommen könnte. Er würde mit hier im Haus wohnen und würde sich die obere Etage ausbauen und dort schnitzen. Sie würde sich Hühner halten. Franziska rief Martin an und wollte ihm ihren Plan mitteilen, aber er ging nicht ans Telefon. Sie hatte nicht das Gefühl, dass sie der immer gleiche Tagesablauf nerven würde. Franziska würde schon etwas einfallen, was sie nach der Ernte machen könnte, viel nachdenken und viel träumen. Das machte sie am liebsten. Mit Martin zusammen wäre das etwas anderes. Das wäre aufregend. Jeden Tag könnten sie die besten Gespräche führen und über das Leben philosophieren. Sie müßte ihm erzählen, dass sie im Knast gesessen hatte und warum. Das würde ihn eher beeindrucken als das es ihn abstoßen würde. „Geschichtenerzählerin, hörmal,“ fragte Franziska, „kann es nicht so kommen? Das ich mit Martin hier zusammen wohne. Er wollte doch raus aus seinem Märchenwald. Ihm würde es sicher gut gefallen die obere Etage zu bewohnen und dort seine Holzschnitzereien zu machen.“ Die Geschichtenerzählerin meinte, „das können wir versuchen, aber ich glaube es gibt kein gutes Ende.“ Franziska war enttäuscht, „warum soll es kein gutes Ende geben?“ „Weil es gute Enden nur im Märchen gibt und weil du schon zuviel Glück gehabt hast. Es muß einige Probleme geben. Das Wasser könnte versiegen. Es könnte jemand kommen, der dich wieder raus schmeißt aus deinem Haus.“ „Du weißt also schon im voraus, was passieren wird?“ „Ich weiß es in etwa, aber du änderst es gerade wieder. Ich hatte nicht erwartet, dass du mit diesem ewige Gleichen so gut klar kommst.“ „Was heißt hier ewig Gleiches. Jeden Tag bis zur Ernte muß gegossen werden. Dann wird geerntet. Ich muß überlegen, was ich nächstes Jahr pflanzen will. Worüber ich mir noch keine Gedanken gemacht habe, ist wie komme ich über den Winter. Es gibt hier ja keine Heizung.“

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12.09.2005

Feiern am Fluss

Franziska setzte sich auf den Deich der Havel. Sie hatte sich ein Radio mitgebracht, dass sie im Dorf bei einem Spaziergang gefunden hatte. Es kamen Hits und sie aß dazu Äpfel und Pflaumen von den Bäumen am Straßenrand. Nicht weit entfernt saß ein Angler auf einem Campingstuhl und starrte aufs Wasser. Ab und zu holte er die Angel aus dem Wasser und hing einen Köder daran. Dann surrte es in der Luft und der Köder plumste lautlos ins Wasser. Sogar ein Segelboot wand sich durch den Biegungen des Flusses vorbei. Es gab etwas zu feiern. Franziska hatte heute Geburtstag. Da es hier keinen Lebensmittelladen mehr gab. Sie mußte dafür bis Gutenpaaren fahren, aß sie zum Obst ein Paar Wiener vom Schlachtimbiß im Dorf. Der Fluß bewegte sich langsam vorwärts. Sie beobachtete die Lichtspiele und die kleinen Figuren aus Laub, die zusammen kamen und wieder neue Gebilde durch die Bewegung des Wassers formten. Die Sonne ging unter und die Mücken plagten sie. Sie schlenderte leicht fröstelnd zurück zu ihrer Hütte und stellte sich eine Kerze auf den Tisch. Von weitem sah sie die beiden Alten auch auf der Bank sitzen. Sie hatten also ihr Feld gepflegt. Die Kartoffeln mußten jetzt bald geerntet werden und Franziska dachte sich, dass sie die Hälfte davon den beiden Alten schenken werde. Es war zwar nicht deren Stückchen Land gewesen, aber warum sollten sie es die ganze Zeit brach liegen lassen. Sie kannten Frau Münzer offensichtlich nicht mehr. Franziska nahm sich vor, bald wieder mit dem Fahrrad nach Potsdam zu fahren, und dann Frau Münzer zu besuchen.

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13.09.2005

Abenteuerlust

"Hallo Geschichtenerzählerin," sagte Franziska,"ich will was unternehmen. Es ist mir etwas langweilig." "Willst du nicht eine Fahrradfahrt nach Potsdam machen?" Das war ihr zu öde. "Nee, das hab ich doch schon gemacht." "Willst du zu Martin fahren?" "Das wäre schön. Vielleicht kann ich dich überlisten. Ich hab nämlich nicht immer Lust, dich zu fragen, was ich tun kann." "Dann mach doch, was du willst." Franziska rief Martin an. Er ging an sein Telefon und freute sich. "Du willst her kommen? Schön, wann kommst du?" Sie überlegte kurz und sagte, "ich fahr sofort los. In zwei Stunden steh ich vor deiner Tür."

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14.09.2005

Trampen

Die einzige Möglichkeit so schnell wie möglich nach Nieder Neundorf zu kommen, war zu trampen. Früher hatte sie das schon mal gemacht. Während ihre kurzen Zeit der Ausbildung zur Verkäuferin verpaßte sie manchmal den nächsten Bus und hielt dann ihren Daumen heraus zum Trampen. Die Busfahrer hatten es nie drauf auf den hinteren Bus zu warten, damit sie einfach umsteigen konnte. So mußte sie meist zwanzig Minuten warten bis der nächste kam, und kam dann meist zu spät. Sie lief mit ihrem Rucksack auf die Straße nach Brandenburg und hielt ihren Daumen heraus. Es nahm sie tatsächlich jemand mit und sie erzählte das nie nach Nieder Neundorf wollte. Der Fahrer kannte diesen Ort nicht. Sie meinte, dass er an der Neiße liegt. Er suchte die Karte mit seinem Finger ab und fand den Ort. Er meinte, dass sie sich jemand suchen müsse, der nach Görlitz fährt und er wollte sie an der Straße 115 absetzen. Aber auch von dort hätte sie keine reale Chance nach Nieder Neundorf in zwei Stunden zu kommen. Franziska war gespannt und aufgeregt. Ihr gingen alle möglichen Dinge durch den Kopf.

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15.09.2005

Besuch bei Martin

Franziska war sehr aufgeregt als sie im Park bei Martin ankam und stolperte hinein. Er stand verwundert da und schnitzte gerade an einem Mammut. Sie erzählte, dass sie getrampt sei und er fand das nur bedingt cool. Aber was solls sie war da und wollte erstmal hier bleiben.

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16.09.2005

Zeitvertreib

Franziska war nach Feiern zumute und heute gönnte sie sich einen ausschweifenden Abend zusammen mit Martin. Er war gut gelaunt und erzählte viele Geschichten aus seiner Jugendzeit als er noch mit den ärmsten der Armen am Strand von Brasilien saß und zur Gitarre spielte. Oder wie er Haschisch im Darmtrakt in kleinen Kügelchen verpackt unter Lebensgefahr schmuggelte.

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17.09.2005

Mammut und Mond

Martin schnitzte an einem Mammut für das Rondell am Cafe vorn. Es sollte einen dicken Rüssel haben, so das Kinder auf ihm herunter rutschen konnten. Am Abend sahen beiden einen riesigen Mond über dem Feld aufgehen. Sie waren auf einem Spaziergang in die nähere Umgebung, denn Martin hatte auch außerhalb des Parks Figuren aufgestellt. So einen großen Mond hatten beide noch nicht gesehen. Für Franziska war es ein Zeichen mit der Kartoffelernte zu beginnen. Martin spekulierte darüber, ob der Mond der Erde ein Stück näher gekommen war oder umgekehrt.

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18.09.2005

Sonntagskränzchen

Martin brachte Franziska wieder zurück nach Weseram. Morgen ist Montag und sie will mit der Kartoffelernte beginnen. In dieser Woche sollen alle Kartoffeln im Keller liegen.

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19.09.2005

Ernst des Lebens

Jetzt begann für sie der Ernst des Lebens, denn heute begann die Kartoffelernte. Sie holte die Mistgabel aus dem Keller und begann die Knollen aus der Erde zu holen. Franziska war sehr vorsichtig, aber es blieb nicht aus, dass sie eine aufspießte, die legte sie gesondert in einen Eimer. Das wäre gleich ihr Abendbrot.

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20.09.2005

Kartoffelernte

Gestern hatte sie eine halbe Reihe geschafft. Heute ging es weiter mit der Kartoffelernte.

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21.09.2005

Kartoffelernte

Ihre Hände taten ihr schon weh, aber eine Reihe hatte sie jetzt heraus geholt. Es war alles ganz schön anstrengend, aber wir sehen Franziska weiter mit der Mistgabel in der Hand die Kartoffeln heraus holen.

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22.09.2005

Karoffelernte

keine Zeit

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23.09.2005

Kartoffelernte

Heute wurde geerntet, morgen ist Kartoffelerntefest.

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24.09.2005

Kartoffelerntefest

am Ende des Ziegelweges auf dem Gelände des Schützenvereins.

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25.09.2005

Nach dem Fest

Franziska war müde und hatte zuviel getrunken, aber es war ihr Abend gewesen. Sie wurde in die Dorfgemeinde integriert. Sie hatte die Kartoffeln geerntet und zum Fest zubereitet. Den Anderen schmeckten sie.

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26.09.2005

Ich schreibe selbst

Franziska war es nun leid, dass jemand anderes ihre Geschichte schrieb. Sie begann selbst zu schreiben. Das bedeutet für uns als Leser, dass wir in ihre Aufzeichnungen keinen Einblick mehr haben. Die Autorin muss sich zurück ziehen, damit endet hier die Flucht aus dem Knast von Franziska Schulz.

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31.01.2006

Im Winter

Frau Schulz hat die letzten vier Monate ihre Geschichte allein weiter geschrieben. Vielleicht rückt sie so nach und nach mit ihren Aufzeichnungen heraus. Zur Zeit plagt sie die Kälte. Ihr Schlößchen will nicht so recht warm werden. Es zieht unablässig durch das Dach. Eigentlich ist nur ein kleiner Teil des Hauses wirklich bewohnbar.
Sie geht ab und zu auf den Deich. Die Havel ist zugefroren und sie kann über den Fluß laufen. Es ist still geworden. Sie steigt auf den Turm und schaut von oben auf die Wiese, den Fluß und das Städtchen. Der rosa Kirchturm sieht in der Winterlandschaft noch dämlicher aus als im Sommer.

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03.02.2007

Franziska und das Unglück

Franziska hatte im letzten Jahr nicht besonders viel Glück gehabt. Sie war zuerst gerade so durch den Winter gekommen. Irgendwann hatte sie auch genug vom Kartoffelsalat mit Würstchen, den sie täglich gegessen hatte. Dann war es kalt geworden. Es hatte zwar nicht geschneit, aber im Februar war es nochmal richtig kalt geworden. Dann gab es ein Hochwasser im Frühjahr. Die Havel trat über ihr Ufer und sie konnte die Frühjahrsaussaat erst einen Monat später in die Erde bringen. Dünger hatte sie nicht. Der Boden war schon ziemlich ausgelaugt, so dass die Kartoffeln im September ziemlich spärlich waren. Mit Kartoffelsalat und Würstchen kam sie diesmal nicht über den Winter und sie entschied sich, ihr Schlösschen aufzugeben und in Berlin zu überwintern. Sie hatte gehört, dass am Ostbahnhof Schlafsäcke verteilt werden, dass sie dort auch eine Nacht bleiben konnte, falls es zu kalt werden sollte. Eine Ärztin war auch dort. Das waren keine so tollen Aussichten für das neue Jahr.

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05.02.2007

Mist!

Franziska wurde am Morgen von einer knarrenden Eisentür geweckt. Aufstehen, sagte der Bulle in beiger Stoffhose und Hosenträgern. Er trug seinen Revolver links an der Seite in einem Halfter und war für einen guten Cowboy zu alt und zu dick. Er schickte Franziska in ein Büro am Anfang des Ganges. "Sie müssen hier unterschreiben," sagte die freundliche Dame hinter dem Tisch aus hellem Holz. "Haben sie zur Zeit keine Adresse?" fragte sie. Franziska nickte.

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06.02.2007

Keine Adresse

"na dann eben nicht," hatte die Angestellte gesagt, "dann haben sie eben keine Adresse. Ich kann mich da nicht drum kümmern. Gehen sie zum Sozialamt." Franziska hatte ganz andere Sorgen, als zum Sozialamt zu gehen. Sie brauchte etwas zu essen. Sie ging zu einer der Mittagsküchen, die es in der Stadt gibt. Es war zu kalt, trotzdem fuhr sie zurück nach Weseram. Sie wollte Holz sammeln und sich den alten Kamin anmachen. Das war der beste Plan. So etwas kommt einem nur mit vollem Magen, dachte sie. Den kleinen Ausflug nach Berlin wollte sie schnell wieder vergessen. Sie mußte sich darum kümmern in Weseram angemeldet zu sein. Dazu mußte sie nach Brandenburg oder Potsdam fahren.

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07.02.2007

Momente, die bleiben sollen

Die kleinen Momente des großen Glücks begegnen uns in jedem Augenblick: sofern, die Zeit ist, mit ihnen wahrzunehmen. Darin liegt das Problem.
Franziska schlendert trotz Kälte auf der Frankfurter Allee entlang. Sie bleibt stehen und lässt ihren Blick die Fassade hinauf schweifen, zu den einstigen Helden dieser Straße. Diese Helden sind nunmehr vergangen und stehen aufrecht über den Hauseingängen, an die Fassade gepresst. Die weiblichen Figuren erkennt man daran, dass sie ein Kopftuch tragen und einen Rock der über das Knie fällt. Das feste Schuhwerk ist das einer Arbeiterin. Sie haben dicke Beine und blicken gerade aus ins Nichts, denkt Frau Schulz. Halten die nun das Haus? Oder hält das Haus die Figuren?
Es ist dunkel auf der Frankfurter Allee, die Uhren aus Stein sind still und mit ihnen die Zeit. Der Lärm der Autostraße wird zum Rauschen im Kopf wie ein Film über Arbeiterlieder.

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24.02.2007

Getose

Frau Schulz trägt die alte Jacke eines Unbekannten. Sie ist seit einiger Zeit im Friedrichshain unterwegs. Sie sucht sich für die Nacht eine Unterkunft, die ist mal bequemer und mal nicht. Essen hat sie gerade so. Tagsüber hängt sie an einer Straßenecke ab. Sie weiß am Abend auch nicht so genau, was im Verlauf des Tages passiert ist.

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03.03.2007

Neues Outfit

Franziska hing so ab. Wie es die anderen hier auch machen. Sie hat alte schwarze Lederstiefel bekommen. Ihre Jeans ist aus dem Humana-Kaufhaus geklaut. Sie hat die Hose anprobiert, ihre alte Hose darüber gezogen und ist so aus dem Laden gegangen. Sie hat sich ihre Haare halbseitig abrasiert und trägt die andere Hälfte als Zopf. Die Haarfarbe ist schwarz und mit Magenta-Haarsträhnen durchwebt. Jetzt hat sie sich eine Flasche Bier geleistet und Zigaretten. Sie steht mit einem neuen Bekannten am Stehtisch vor dem Getränkemarkt am Frankfurter Tor. Franziska wohnt jetzt ab und zu in der Rigaer Straße. Hier hat sie neue Leute getroffen, die noch ein Ziel haben in dieser Stadt, dass nicht nur das schnöde Geschäfte machen ist. Geschäftemacher sind die Leute hier nicht, dafür verwenden sie ihre Energie zum Diskutieren und zu Gehirngespinsten.

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07.03.2007

Mein Name ist Jack Bauer Cooper und ich erzähle jetzt die Ereignisse.

Die Ereignisse im Leben von Franziska haben sich in den letzten Stunden überschlagen. Das Leben gleicht einer rasanten Autobahnverfolgungsjagd durch einen Autotunnel. Was ist passiert? Ich bin Spezialagent Jack Bauer Cooper und erzähle die Ereignisse aus meiner Perspektive. Ich gehöre dem Spezialregiment 120 an und arbeite im Auftrag der Regierung. Wir sind eine kleine Gruppe von Spezialisten und mit dem Auftrag unterwegs, Terroranschläge zu verhindern. Ich diene allein der Gerechtigkeit, das wollte ich noch sagen, bevor ich zu den Tatsachen komme. Wir haben Franziska Schulz, 24 Jahre in Berlin Friedrichshain auf der Kreuzung Frankfurter Tor verhaftet und mit zum SR 120 genommen, um sie zu verhören. SR 120 heißt Spezialregiment 120. Wir sitzen am Kottbusser Tor. Dort spielt die Krimiserie Freitag abend im Fernsehen auch. Bei denen im Revier stand der Keller leer. Dort hatte sich ein Kriminalbeamter eine Kneipe aufgebaut und nicht geschafft, sie zu halten. Dort sitzen wir jetzt mit unseren Laptops. Wir haben einen schalldichten Verhörraum, der mit Video überwacht wird. Davor steht ein Monitor, auf dem das Verhör zu verfolgen ist. Da stehen meine Kollegen, die ich jetzt nicht im Einzelnen vorstellen kann. Es reicht das sie meinen Namen kennen, Jack Bauer Cooper.
Sie können mit meinen Kollegen mein Verhör über den Monitor verfolgen:
Jack Bauer Cooper: Also Frau Schulz, wo waren sie am Mittwoch dem 3.3.?
Frau Schulz: Ich war im Friedrichshain. Sie können es im Internet nachlesen.Ist es mein neues Outfit, oder warum halten sie mich fest?
Jack Bauer Cooper: Aha, da also. Haben sie eine Vorstellung, auch nur im Kleinsten, warum sie hier sind?
Frau Schulz: Nein. Ich habe mir erst vor einigen Tagen die Haare gefärbt und abrasiert. Die Zeit ist zu kurz, um Terroristin zu werden.
Jack Bauer Cooper: Nein? Das ist ja blöd.
Frau Schulz: Dann kann ich ja wieder gehen.
Jack Bauer Cooper: Nö. Sie bleiben noch hier zur Beobachtung.
Frau Schulz: Ich bin aber nicht krank. Das ist doch keine Arztserie.
Jack Bauer Cooper: Ach, ja. Dann schicken wir ihnen einen Beamten hinterher.
Frau Schulz: Warum machen sie das nicht selbst?
Jack Bauer Cooper: Ich bin an den wirklichen Verbrechern dran.
Frau Schulz: Ich bin doch ihre einzige Spur.
Jack Bauer Cooper: Stimmt.
Frau Schulz: Dann lassen sie mich frei und verfolgen mich. So als ein Lockvogel.
Jack Bauer Cooper: Das ist doch zu gefährlich.
Frau Schulz: Das ist die einzige Chance Jack.
Jack Bauer Cooper: Gut. Franziska.
Frau Schulz: 20 Euro die Stunde.
Jack Bauer Cooper: Geht, klar. Ich sag der Buchhaltung Bescheid.
Frau Schulz: Dann bleib mir einfach an den Fersen. Da wir nicht wissen, was die Verbrecher wollen, bekommen wir es so heraus.
Ich habe Frau Schulz die Hand geschüttelt. Sie ist wieder zurück zum Frankfurter Tor und verschwunden. Wir vermuten, dass sie in Weseram ist oder vielleicht ist sie tatsächlich entführt. Das erzähle ich ihnen, wenn ich mehr weiß.

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09.03.2007

Spur von Frau Schulz aufgenommen

nur eine kurze Mitteilung von mir an dieser Stelle,
Franziska wurde über ihr Handy geortet. Wahrscheinlich ist sie entführt worden. Es wird alles unternommen, um sie zu befreien, später mehr...Jack Bauer Cooper

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10.03.2007

Entführung in Weseram

Wir sind mit einigen Polizisten in Weseram. Unsere mobile Abhörstation liegt hinter dem Haveldeich versteckt, so dass uns die Terroristen nicht sehen können. Frau Schulz ist in ihrem Schloss. Sie kann sich frei bewegen. Sie könnte zu den Nachbarn fliehen. Wir checken gerade, ob die Nachbarn zu Hause sind. Ich höre einige Geräusche von den Nachbarn. Es ist ein älteres Ehepaar, das gerade beim Kartoffelschälen ist.
Sie sind etwas überrascht, dass wir bei ihnen unsere Laptops aufstellen mussten, aber wir brauchen einen Satelliten, um die Terroristen auf der anderen Seite des Weges zu überwachen. Da ist uns die Sicherheit von Frau Schulz sehr wichtig. Wir wissen noch nicht, was die Terroristen von ihr wollen. Vielleicht gehe ich nachher mal rüber und frage nach, was sie vorhaben oder wir schicken Frau Schulz Nachbarn rüber. Das ist natürlich gefährlich. Dann arbeiten wir außer mit Frau Schulz mit weiteren Zivilisten, was eigentlich nicht in unserem Interesse ist.
Es berichtete in Kürze Jack Bauer Cooper.

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11.03.2007

Terrorspiel mit dem Computer

In dieser Nacht ist eine fürchterliche Aufregung gewesen. Mir sind die brandenburgischen Polizeikollegen etwas zu brutal vorgegangen. Sie haben das Ehepaar umquartiert, das wir beim Kartoffelschälen unterbrachen. Das hat die Frau nicht verkraftet, denn sie hatte seit zehn Jahren ihr Haus nicht mehr verlassen und liegt jetzt im Krankenhaus in Brandenburg und wird medizinisch betreut. Der Mann sitzt neben ihr. Wir versuchen behutsamer vorzugehen. Die Terroristen haben mittlerweile mitbekommen, dass wir sie überwachen. Sie haben eine bessere technische Ausrüstung als wir hier. Ich habe schon meine Kollegen in der CTU gebeten mir eine andere Ausrüstung zu schicken, so schnell wie es nur geht. Wir haben es hier mit Internetterroristen zu tun. Mein Name ist Jack Bauer Cooper und ich berichte über die Ereignisse der vergangenen Nacht. Die Terroristen haben uns geortet und auf unsere Laptops ein Computerspiel geschickt. Wir spielen jetzt in zwei Mannschaften gegeneinander. Ich kannte das Spiel bisher noch nicht. Es ist eine Neuentwicklung aus China. Wir wissen also jetzt, dass die Terroristen aus China kommen...Jack Bauer Cooper

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12.03.2007

In der Hand chinesischer Wirtschaftsspione

"So schnell schießen die Preußen nicht", meinte der brandenburgische Beamte zu mir. Das machte mich widerum immer nervöser und ich begann mit dem rechten Fuß, am Stuhlbein zu ditschen. Seine Kollegen spielten noch das chinesische Spiel, dass die Terroristen ihnen auf die Laptops geschickt hatten.
Ich habe eine telefonische Verbindung mit der Geisel Frau Schulz. Sie hatte ihr Handy unbemerkt angeschaltet.
Die Terroristen schauten die Abendschau und versuchten die Wörter nachzusprechen, was ihnen nicht so gelang. "Binnenlandlage" oder "Beutekunst" - dieses Wort gefiel den Gaunern am meisten.
Was hier geschah, war ein Beutefeldzug im großen Stil. Er betraf geheimes Wirtschaftswissen. Sie hatte ein Gespräch mit angehört.
"Ihr spioniert Wirtschaftsdaten aus. Wozu braucht ihr mich?", fragte Frau Schulz mutig.
"Wirklich gut mitgedacht, wir haben die Daten bereits und du bist unser zusätzliches Pfand für die Prämie. Wir werden nämlich sehr schlecht bezahlt." sagte einer der Chinesen und nahm ihr das Handy ab...Jack Bauer Cooper

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13.03.2007

Goldgräber im Internet

Frau Schulz hatte sich durch ihre Frage in Lebensgefahr gebracht. Die Terroristen verstanden keinen Spaß. Sie kamen nicht wie zuerst angenommen aus China, sondern aus Berlin-Marzahn. Sie hatten eine deutsche Schule besucht und sind auf eine deutsche Universität gegangen. Dann hatten sie einen Job in China bei einer Computerfirma gefunden, die sie anständig bezahlte.
Später hatten sie heraus gefunden, was sie dort machen sollten. Es ging um eine Art gut bezahlte Aquise.
Die Auftraggeber sparten sich die langen Auswertungen von unzähligen "Telefoncalls". Es wurde keine Telefonfirma mit einer Umfrage beauftragt, die Kunden ausspioniert, was sie an Infrastruktur haben. Diese Goldader war geschürft. Die Goldgräber die jetzt noch per Telefon unterwegs waren, die werden gleich vom Sekretariat abgewimmelt.
Deswegen spionierten die chinesischen Jungs Firmendaten übers Internet aus. Es ging um "technische Standards", die in der Firma verwendet werden.
Für diese Daten zahlen dann widerum andere. Die Daten werden frisiert und weiterverkauft, weil man damit verdienen will.
Frau Schulz lag gefesselt und geknebelt auf dem Boden. Die Terroristen machten ein Foto mit ihrem Handy und schickten es mir aufs Handy mit der Bemerkung:
"Hallo Jack Bauer Cooper, deiner Kleinen geht es gut. Ruf doch mal für uns deine Regierung an. Wir haben interessantes Material aus ihrem Regierungsserver. Wir dachten an ein sechsstelliges Honorar. Das Material bekäme sonst unsere Regierung in Peking, Grüße"
-eine Frechheit, Jack Bauer Cooper

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14.03.2007

Frau Schulz gerettet von Jack

Mein Team stürmte gestern die Hütte von Frau Schulz in Weseram. Ich hatte es zusammengestellt aus brandenburgischen Polizisten. Anfangs dachten wir die Terroristen hätten sich in Weseram versteckt. Gestern hatte ich noch ein Foto von Frau Schulz aufs Handy bekommen und ich konnte kurz mit ihr sprechen.
Nachdem wir die Hütte eingeommen hatten, sahen wir, dass es hier weder Laptops noch Entführer gab. Frau Schulz saß gefesselt am Boden und hatte einen widerlichen Lachkrampf. Wir brachten sie in ein Krankenhaus, weil sie unter Schock stand. Waren wir einem Internetstreich auf den Leim gegangen? Wir hatten Terroristen hier in Weseram beobachtet. Hatten wir falsche Koordinaten?
Frau Schulz war so zugerichtet worden, dass sie uns vorerst keine Auskunft geben konnte. Sie hatte einen Zettel in der Hand. Es war eine Art Einkaufsliste zum Frühstück im Kanzleramt. Die Terroristen bestellten grünen Tee und Bisquit. Wir hatten in der Zwischenzeit heraus gefunden, um wen es sich bei den Entführern handelte, aber das half uns im Moment wenig.
Was hatten wir übersehen? Waren sie wirklich verschwunden? Wir wollten die Aktion schon abbrechen, da sagte ich meinen Kollegen, dass sie noch einmal das gesamte Schloss durchsuchen sollten. Die Terroristen mußten noch hier sein, oder einen unterirdischen Ausweg gefunden haben, um zu fliehen. Irgendeinen Hinweis mussten sie hinterlassen haben, niemand ist perfekt. Vielleicht hatten sie eine elektronische Lichtschranke aufgebaut, hinter der sie sich versteckten.
Es spielte bisher niemand ungestraft mit Jack Bauer Cooper Katz und Maus.
gezeichnet Jack Bauer Cooper, Weseram/Havel.

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15.03.2007

Jack Bauer Cooper mit Krise

Ich konnte es nicht begreifen, dass mich die Terroristen so gelinkt hatten. Ich ging durch das leere Haus und suchte nach irgendeinem Hinweis. Irgendetwas mussten wir übersehen haben. Nur was war das? Während ich in den leeren Räumen suchte, kratzte das Kinn, dann der Kopf, dann der Hintern und der Ellbogen. "Immer dieser Juckreiz bei Streß," dachte ich. Dann juckte auch noch die Schuhsohle. "Ich kann mir jetzt nicht die Schuhe ausziehen und an den Fußsohlen kratzen. Was sollen die brandenburgischen Dorfpolizisten von mir denken. Schließlich bin ich bei denen so etwas wie ein Idol. Ach was, Idole dürfen auch menschlich sein." Ich zog mir die Schuhe und Strümpfe aus und ging barfuß über den Acker. "Ich geh zur Havel," rief ich den Dorfpolizisten zu. "Manchmal war es schwer Jack Bauer Cooper zu sein. Auch noch Schnupfen," stöhnte ich. "Nachher werde ich diese Notizen löschen. Wäre ich doch wie mein Vorbild Spezialagent Cooper, der seine Fälle im Traum löste." Ich stakte durch den modrigen Sand im Haveltal und trat auf einen Frosch. Dann mußte ich warten, weil eine Herde Kühe vor mir auf die Weide getrieben wurde. Ich stand auf dem Haveldeich und suchte nach Spuren am Ufer. Hier mußten die Terroristen abgefahren sein. Ich sah Spuren von einem Schnellboot. Dann fiel mir etwas auf, das im Wasser lag. Es war eine Leiche. Ich zog den toten Körper aus dem Wasser. Es war ein junger chinesischer Mann. Ich rief die Dorfpolizisten an und die CTU in Berlin. Dann zog ich meine Schuhe wieder an und durchsuchte den Toten nach Identitätshinweisen...Jack Bauer Cooper

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18.03.2007

Alle krank

Jack Bauer Cooper hat sich eine Erkältung geholt, weil er barfuß über den Acker im Haveltal gegangen ist. Frau Schulz und ihre kartoffelschälenden Nachbarn liegen im Krankenhaus. Die brandenburgischen Dorfpolizisten sind von den Ereignissen so mitgenommen, dass sie krank geworden sind. Daraus folgt eine Pause in der Ermittlungsarbeit. Jack Bauer Cooper hat eine Erklärung an die Bundesregierung abgegeben, in der vor den chinesischen Terroristen und ihrer Einladung zum Tee unterrichtet wird. Die Leiche ist in Untersuchungshaft. Jetzt kurieren sich erstmal alle aus, dann lesen sie weiter...

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26.03.2007

Die CTU-Spezialeinheit in Kreuzberg und Peking

Es hat einige Zeit gedauert bis alle wieder gesund geworden sind. Der eine oder andere der Beamten hustet noch. Ich fuhr nach Berlin zur CTU in Kreuzberg am Kottbusser Tor. Die CTU ist eine Spezialeinheit der deutschen Regierung. Sie arbeitet aber auch auf eigene Faust, wenn es darum geht, eine höhere Gerechtigkeit zu verteidigen. Wem die hochausgebildeten Agenten unterstellt sind, entscheidet sich erst mitten im Auftrag, wenn neue manchmal ungeheuerliche Fakten auf den Tisch kommen. Terroranschläge und Entführungen via Fernsehkamera erfordern ganz andere Strategien von den Beamten, die mental bestens trainiert sind. Nachdem ich mich mit meinen Kollegen abgestimmt hatte, wer die Terroristen sind und wo sie her kommen, beschlossen wir die gesamte Abteilung nach China zu verlagern. Alle packen ihre Laptops ein und werden nach Peking geflogen. Dort wollen sie die chinesische Hacker-Szene etwas durchleuchten und deren Computerfirmen besuchen, bei denen sie angestellt sind, um Firmendaten auszuspionieren. Noch ist nicht bekannt, worum es sich bei den von den Terroristen erwähnten geheimen Regierungsdaten handelt. Wir tappen immer noch im Dunkeln, gezeichnet Jack Bauer Cooper.

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01.04.2007

Die CTU-Spezialeinheit in Peking fliegt auf

In den letzten Tagen hatten wir einige Unannehmlichkeiten. Das fing am ersten Tag unseres Aufenthaltes an, dass wir in den Büroräumen der CTU eine Bombendrohung hatten. Wir mussten alle das Gebäude verlassen und warteten vor dem Eingang auf die Polizei und deren Spezialabteilung. Wir konnten unsere Tarnung vergessen. Jetzt wusste selbst der Imbissverkäufer von gegenüber, dass wir in diesem Gebäude saßen. Am nächsten Tag hatten wir erneut einen Anschlag. Plötzlich sprangen elektronische Kröten in unserem Büro umher. Wir konnten einige von ihnen unschädlich machen, aber die meisten verbreiteten sich über unsere Satelliten. Das waren vielleicht fünfhundert Kröten, die plötzlich auf unserer Tastatur umher sprangen und quakten. Diese Kröten sind eine spezielle Züchtung der Chinesen. Es sind Frühlingskröten, die sich das ganze Jahr über vermehren wollen, nicht wie ihre Artgenossen nur im Frühling, deswegen heißen sie Frühlingskröten. Sie haben also den natürlichen Drang eingepflanzt bekommen, auf andere Mails aufzuspringen. So kommen sie in jedes System und wurden jetzt von uns (blöder Weise) über den Satelliten auf der ganzen Welt verbreitet. Sie nisten sich auf dem lokalen Rechner als Benutzer ein. Dann kontrollieren sie dessen Kommunikation. Manchmal springen sie auf der Tastatur umher, um so den Benutzer, vom Schreiben abzuhalten. Sie können anstatt des lokalen Benutzers, auf einem Rechner ein Programm abspielen, mit dem sie sich vermehren. Wir haben einige Kröten unschädlich gemacht, aber alle konnten wir nicht bekommen. Die Rechner sind nicht mehr zu gebrauchen. Sobald wir die Rechner anmachen, beginnt das Kopierprogramm für Frühlingskröten. Wir haben heraus gefunden, indem wir auf den Datenspeicher zugriffen, dass auf den Kröten die Bauanleitung für den Transrapid und für den neu entwickelten Airbus sind. Ich werde zum Astrologen gehen müssen, um zu erfahren, wie es hier weiter gehen kann. Jack

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11.04.2007

Elektronische Frühlingskröten mit geheimen Daten

Jack Bauer Cooper hatte die Möglichkeit in Erwägung gezogen selbst als elektronische Frühlingskröte, in das System zu gehen. Vorher hinterließ er Franziska Schulz im Chinarestaurant „Good Food“ in Berlin eine Nachricht. Sie sollte zum KDD in Kreuzberg gehen und dort warten. Er nahm ein spezielles kleines Handy mit in sein Krötendasein, um den Kontakt zur CTU zu halten. Die CTU zog in ein Bürohaus in Shanghai, denn dort wurden die Terroristen vermutet. Jack Bauer Cooper gab von dort aus eine Nachricht an die Bundesregierung weiter, dass die Frühlingskröten, mit den Bauplänen für den neuen Airbus und den Transrapid, in der ganzen Welt über den Satelliten verteilt waren. Der Satellit stand im Zeichen der Waage, so dass es noch einige Hoffnung gab, den Quell des Kopiercodes für die Kröten zu finden. Allerdings hatte Jack Bauer Cooper nicht viel Zeit, denn der Satellit wechselte in das Sternzeichen Skorpion und die Situation würde sich verschärfen. Wahrscheinlich waren die Baupläne von Airbus und vom Transrapid nicht die einzigen. Die CTU konnte die Sicherheit von Jack Bauer Cooper elektronisch nicht absichern und er ließ sich trotzdem als Frühlingskröte ins Netz kodieren. Es war ihre einzige Hoffnung, die Kommunikationsstrukturen der chinesischen Terroristen heraus zu finden und hinter ihre Motive zu kommen. "Die einzige Chance in die Kommunikationsstruktur, der Frühlingskröten zu kommen, ist es sich selbst, in sie zu verwandeln." Der Satzbau von Jack Bauer Cooper funktionierte nicht mehr. Er suchte nach einer neuen Sprache als Frühlingskröte und hoffte, dass er nicht beim Quaken bleiben musste. Die Ermittlungen waren plötzlich in der Hand von Franziska Schulz.

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15.04.2007

Verwandlung zur Kröte

"Du musst zur Gertraudenbrücke in Berlin kommen," spricht Frau Schulz schon etwas aufgeregt in das Handy. "Bitte, Jack, finde das richtige Mailprogramm. Hier standen zwei unbewegliche Kröten aus Porzellan, die sich in elektronische Wächter verwandelt haben. Wahnsinn, eine Kröteninvasion! Sie kommen aus dem Spreekanal und hüpfen aus dem Wasser direkt ins Restaurant 'Gertraude'."
Die Mitarbeiter vom KDD in Kreuzberg warteten immer noch auf ein Signal von Franziska Schulz. Sie hatte sich nur mit einem kurzen Tschüß verabschiedet. Frau Schulz wurde geortet und auf der Gertraudenbrücke gefunden. Im Restaurant nebenan gab es keinen freien Platz mehr, es war mit Kröten gefüllt. Ein Polizist vom KDD fragte, ob sie wisse, wo sich zur Zeit Jack Bauer Cooper befände. Aber Frau Schulz wusste es nicht. Sie vermutete ihn aber im Restaurant, aber das war nur eine unbegründete Hoffnung. So standen sie zu fünft vor dem Restaurant und drückten sich ihre Nasen am Schaufenster platt. Die Kröten hielten so etwas wie ein Seminar ab. Es gab ein Clipchart. Darauf stand eine Mail-Adresse. Frau Schulz konnte sie nicht lesen. "Ich muss jetzt da rein," sagte sie zu den Beamten vom KDD. Sie ging in das Restaurant und las die Adresse. Sie schloss die Tür wieder von außen zu. Dann versuchte sie etwas, den KDD-Beamten zu sagen, aber sie sahen sie nicht. Als Frau Schulz das Restaurant wieder verlassen hatte, war sie selbst eine Kröte.

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17.04.2007

Krötengedanken

Frau Schulz war jetzt wie ihr Partner Jack Bauer Cooper eine elektronische Frühlingskröte. Weder er noch sie wussten, wo der andere war. Frau Schulz saß auf der Gertraudenbrücke in Mitte. Sie hatte die Mailadresse heraus bekommen, konnte aber nichts damit anfangen, denn sie musste zuerst einen Weg finden, um ihre Information zu kommunizieren. Die Mailadresse endete mit auswaertiges_a.de. Das war hier gleich um die Ecke. Die Kröten fanden sich hier im Gertraudenrestaurant zusammen. Frau Schulz brauchte nur eins und eins, zusammen zu zählen. Dann wusste sie, was sie vorhaben. Mit der Mailadresse versuchen die Kröten, in das Auswärtige Amt zu kommen. Jetzt sammeln sie sich gerade, um gemeinsam vorzugehen. Die beiden Porzellanwächter stehen immer noch vor der versammelten Krötenmannschaft und erzählen. Frau Schulz war zwar eine Kröte, aber sie hatte offensichtlich nicht das Vertrauen der Porzellankröten, deshalb musste sie das Restaurant verlassen. Sie musste sich genau überlegen, wie sie hier vorgehen sollte.

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20.04.2007

Frau Schulz als Spezialagentin "Kröte"

Frau Schulz als Kröte versuchte die Aufmerksamkeit der KDD-Beamten, auf sich zu ziehen. Jetzt begriff sie erst das volle Desaster. Sie saß unmittelbar neben ihnen auf der Gertraudenbrücke, an der die Beamten lehnten und hinunter spuckten.
Zuerst hatte sie ihr Zeitgefühl verloren. Ihre Gelenke und Knochen waren wie Gel. Ihr Blick reichte einen Meter weit. Sie sah nur noch helle und dunkle Schemen. „Scheiße,“ rief Frau Schulz laut, aber es war nur ein Quaken. Wenigstens kuckten die KDD-Leute auf und wunderten sich. Dann rief sie noch dreimal laut Scheiße. Die Beamten amüsierten sich. „Vielleicht kann ich noch mit den Vorderfüßen winken oder wie die Dinger anstelle der Hände auch heißen mögen,“ dachte sie. Naja, das ging. „Kuck mal die Kröte will in den Zirkus,“ sagte einer vom KDD. „Wir nehmen sie mit.“ - „Was willst du mit einer Kröte?“ fragte ein anderer. Frau Schulz rief jetzt so laut sie konnte und brachte einen lauten, tiefen, langen Quaaaak heraus und sprang einmal hoch. „Gar nicht schlecht,“ dachte sie, „ich hätte meine Oberschenkel besser trainieren sollen, dann hätte ich noch höher springen können.“ Die Beamten vom KDD lachten laut los. Dann nahmen sie die Kröte mit und gingen zum Dienstwagen. Frau Schulz sprang in den Wagen und in das Autoradio. Sie konnte sämtliche elektronische Geräte bedienen. Dann machte sie das Radio an und blinkte mit elektronischen Buchstaben auf der Anzeige. „Bin Frau Schulz, kein Scherz, das Auswärtige Amt vor Krötenangriff warnen und Mailserver abstellen!“ Die KDD-Beamten schauten auf das Display und waren im ersten Moment wie gelähmt, fuhren aber kurz beim Auswärtigen Amt vorbei und erzählten den Vorfall. Dort wurde vorsichtshalber der Mailserver ausgestellt. Doch die Frühlingskröten befanden sich noch im Gertraudenrestaurant. Die KDD-Beamten sahen plötzlich überall, wo sie auch hinschauten, Krötenplakate. Sie vermuteten einen Zusammenhang zwischen den Plakaten und dem Treffen im Restaurant.

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05.05.2007

Frau Schulz wieder in Weseram

Frau Schulz befand sich wieder in Weseram. Sie musste sich um die Bestellung ihres Feldes kümmern. Sie brachte das Saatgut der Kartoffel Linda in die Erde. Franziska hatte in der Lokalzeitung gelesen, dass das Saatgut nicht mehr verkauft wurde. Es war das letzte Jahr für die Kartoffel Linda, indem sie legal angebaut werden konnte. Sie hatte ihr eigenes Saatgut aus dem vorletzten Jahr noch, das jetzt in die Erde sollte.
Frau Schulz ging den Weg zur Havel. Als sie über das Feld ging, auf dem Jack Bauer Cooper barfuß auf eine Kröte getreten war, tat sich ihr ein verhangenes Erinnerungsfenster auf. Sie meinte sich an etwas, erinnern zu müssen. Was war das? Sie schaute auf das Wasser des Flusses und wie sich die Weidenkätzchen darin spiegelten.
Noch waren die Nächte kalt und eisig, obwohl es am Tag schon zwanzig Grad warm war. Einmal war sie schon in der Havel baden, weil es siebenundzwanzig Grad warm war. Sie erinnerte sich daran, dass sie unglaublich lange unter Wasser schwimmen konnte. Franziska hatte den ganzen Tag im Wasser gelegen; im flachen Wasser in der Sonne – mit anderen Kröten als Kröte! Ihre Erinnerung schien ihr einen Streich, gespielt zu haben. Das hatte sie doch bestimmt geträumt, redete sie sich ein.

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06.05.2007

Das letzte Jahr für die Kartoffel Linda

Die Lüneburger Firma Europlant will das Saatgut nicht mehr vertreiben. Sie setzen lieber auf ihre neuen Marken. Dafür nahmen sie Linda, die von mehreren Umweltorganisationen zur Kartoffelsorte des Jahres 2007 Ausgezeichnete, von der Bundessortenliste. Linda wäre beinahe dreißig Jahre alt geworden und damit linzenzfrei für Bauern.
Für Frau Schulz war sie eine wichtige Sorte, weil sie am Markt sehr gefragt ist. Außerdem könne sie sich neues Saatgut nicht leisten, wenn fraglich ist, ob sie die Kartoffeln dann los wird. Die Kartoffelsorte Linda wird derzeit zum vorerst letzten Mal gepflanzt. "Unser Saatgut ist ausverkauft, damit ist Linda für uns gestorben", las Frau Schulz in der Zeitung die Pressemitteilung von Europlant. Die Knolle sei angeblich krankheitsanfällig.

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07.05.2007

Zwei rätselhafte Krötenhüllen

Vielleicht sollte sie sich nicht, an ihre Krötenzeit erinnern? Wozu kann der Mensch Unangenehmes verdrängen? Besteht denn eine Erinnerungspflicht? In zwei Jahren wird auch die Kartoffel Linda vergessen sein. Nächstes Jahr schon wird Franziska illegale Kartoffeln auf ihrem Feld haben.
Sie nahm sich ganz fest vor, dass sie rückblickend alles notierte, was sie als Kröte erlebt hatte...
Dann fand sie eine Spur, die zurück führte. Zwei Krötenhüllen lagen am Ufer. Die eine größere Hülle war ihre eigene, die zweite kleinere Hülle gehörte Jack.
War er in Weseram? Franziska rannte zu ihrem Schloss und fand einen Zettel im Briefkasten.
„Hallo Franziska,“ stand da, „bin wieder in Shanghai. Liebe Grüße Jack Bauer Cooper.“
Damit war noch kein einziges Rätsel gelöst, sondern ihr wurde ein neues Rätsel aufgegeben.

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08.05.2007

Nachtgedanken

Frau Schulz erinnerte sich an Ida. Ida hatte ihr das Schloss überlassen. Sie hatte vor zwei Jahren gesagt, dass Franziska die Kartoffelsorte Linda pflegen sollte. Es stand damals in der Zeitung, dass wenn Linda leistungsfähiger werden würde, sie wieder auf die Liste des Bundessortenamtes käme. Franziska wurde etwas melancholisch, gehörte doch die Kartoffelsorte zum Gründungsglück ihres kleinen Anwesen. Sogar die mundfaulen Nachbarn hatte sie beim Kartoffelfest beeindruckt. Das war im Sommer 2005.
Vielleicht gab es einen Ausweg? Franziska hatte die beiden Krötenhüllen in der Hand. Es konnte doch sein, das sie noch funktionierten? Wie war Jack ohne seine Hülle nach Shanghai gekommen? Bestimmt mit dem Flugzeug auf normalem Weg. Sie hatte fast keine andere Möglichkeit, um ihn zu treffen als sich die Hülle, wieder über zu stülpen. Das entschied sie morgen, heute kümmerte sie sich um ihre Kartoffeln.

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14.05.2007

Eine verschlüsselte Nachricht

Franziska nahm die Krötenhülle und zog sie sich an. Darin war es angenehm kühl. Sie watschelte zur Havel. Das Wasser perlte von ihrer Haut ab. Sie konnte mit zwei Sprüngen, das andere Ufer erreichen. Hier lagen noch mindestens zwanzig andere Kröten im flachen Wasser. Meist waren es die kleineren Männlichen. Franziska untersuchte die Hülle und fand darin eine Nachricht von Jack Bauer Cooper. Er hinterließ sie verschlüsselt hier drin, doch Frau Schulz kannte den geheimen Code: „Hallo Franziska, wenn du diese Nachricht bekommst, bist du in Weseram und in Besitz beider Krötenhüllen. Auch in meiner Hülle ist eine verschlüsselte Nachricht, die nochmal in einer verschlüsselten Datei abgelegt wurde. Diese enthält ein geheimes Dokument über ein Abkommen des Auswärtigen Amtes mit den chinesischen Terroristen. Es ist ein Gesprächsmitschnitt. Die Stimmen sind gut zu erkennen. Bitte bleib in der Hülle unter den anderen Kröten liegen, bis ich wieder in Weseram bin. Jack“

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17.05.2007

In der Krötenhülle

Sie hatte noch genug Rätsel, die sie lösen musste.
Als Kröte war es gar nicht komisch und ins Fernsehen kam sie so auch nicht.
„Für eine elektronische Hülle gelungen, fast echt“, dachte sie. Sie erkannte den Raum wieder. Es gab sogar einen Internetanschluss. Dann gab es eventuell auch eine Verbindung zu den anderen Amphibien, falls sie nicht doch lebendig waren. Sie schaute aus den Augen der riesigen Kröte auf die kleineren Kröten im Wasser, die sich aufgeregt um sie herum gruppiert hatten. Die Strömung in der Havel war sehr stark, weil es geregnet hatte. Sie musste von innen ein Gleichgewichtsprogramm starten. Die Strömung hielt auch die anderen Kröten etwas auf Abstand. Die Männchen hatten keine Zeit, sich um sie zu kümmern. Sie waren tatsächlich Kröten und keine elektronische Hüllen. Es gab einen Bildschirm. Sie versuchte ins Internet zu gehen. Die Verbindung wurde automatisch hergestellt. Sofort wurde ein Emailprogramm geöffnet. Sie bekam eine Nachricht von der anderen Krötenhülle, die noch am Ufer lag und Jack Bauer Cooper getragen hatte. Die Hüllen konnten miteinander kommunizieren.

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01.07.2007

Saatgut-Treuhand setzte Frau Schulz unter Druck

Frau Schulz hatte unangenehmen Besuch von der Saatgut-Treuhand bekommen. Sie setzten sie unter Druck und wollten ihr Saatgut verkaufen. Für den Samen ihrer Kartoffeln hatte Frau Schulz bisher nichts bezahlt, weil es ihre eigene Ernte war. Die Unwissenheit rettete sie aber nicht vor der Saatgut-Treuhand, die Nachbaugebühren eintreiben wollten. Nächstes Jahr wollen sie wieder kommen. Wenn Frau Schulz wieder die Kartoffelsorte Linda gepflanzt hat, wird eine Strafe fällig. Für Linda ist die Lizenz abgelaufen, aber Frau Schulz wird auch im nächsten Jahr die Kartoffel Linda anbauen. Die Bauern in der Gegend hatten Auskünfte über Anbauplanung an die Samen-Mafia verweigert. Wer von den Bauern neues Saatgut eingekauft hat, wird gezwungen sein, Jahr für Jahr neue Samen einzukaufen, weil es ein „Terminator-Gen“ enthält. Das „Terminator-Gen“ ist ein Kopierschutz der Saatgut-Industrie und macht die Pflanzen unfruchtbar.

Frau Schulz hatte sich in die Krötenhülle am Havelufer zurück gezogen, um nachzudenken wie sie sich gegen die Saatgut-Treuhand verteidigen könnte. Sie stellte den Computer hier drin an und entdeckte in einer Datei alte Bilder von Jack Bauer Cooper in Shanghai. Sie war auch auf dem Foto und die gesamte CTU. Sie erinnerte sich wieder, dass sie als elektronische Frühlingskröte Zugriff auf Rechner in der ganzen Welt hatte. Sie war in Shanghai auf dem Rechner einer chinesischen Firma, die den Transrapid nachbauen will und hatte Informationen geliefert. Sie hatte die Baupläne für Airbus auch gleich an die Chinesen verkauft, der jetzt dort gebaut wird. In dieses Spiel war sie irgendwie hinein geraten. Sie wußte selbst nicht, was sie eigentlich von einem Rechner zum anderen gebracht hatte. Jack Bauer Cooper hat sich nicht mehr gemeldet, der sie auf den Trip mitgenommen hatte. Sie muss noch ein weiteres Mal ihre Aufzeichnungen lesen, um zu rekapitulieren. Da kam ihr der Gedanke: Wieso sollte sie nicht auch in eigener Sache unterwegs sein? Sie könnte Saatgut ihrer Kartoffel Linda als elektronische Kröte weiter vertreiben? Aber: Frau Schulz wollte eigentlich nicht mehr kriminell sein.

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04.07.2007

Das sind alles Überlegungen wie es weitergehen könnte

Frau Schulz ist in Weseram in der Krötenhülle. Sie wird in Zukunft immer wieder Ärger mit der Saatgut-Industrie bekommen und überlegt, ob es sich für sie noch lohnt, Kartoffeln anzubauen.
Sie hat zwei elektronische Krötenhüllen (von Jack und ihre eigene), damit hat sie die Möglichkeit per Mail durch das Internet zu reisen. Sie könnte noch einen anderen in der Hülle von Jack mitnehmen.
Jack hat ihr ausdrücklich gesagt, dass sie auf ihn warten soll. Vielleicht lebt er nicht mehr oder musste untertauchen. Die unbeantwortete Email aus seiner Krötenhülle, die auf sie weitergeleitet wurde, war ein Hinweis darauf, dass er untertauchen musste. Seine letzte Nachricht kam aus Shanghai.
Dann wäre noch der geheime Gesprächsmitschnitt aus dem Auswärtigen Amt, den Jack chinesischen Terroristen abgenommen hatte. Darin wurde über den Bau von Airbus in China verhandelt. Deswegen soll sie sich in Weseram verstecken. Von dessen Existenz weiß offensichtlich noch niemand.
Soll sie nun abwarten bis die vom Auswärtigen Amt darauf kommen, dass es einen Gesprächsmitschnitt von ihnen gibt? Dann werden hier alle Kröten erschossen und das wars dann. Oder soll sie sich mit der Hülle selbst ins Internet begeben? Wohin? Nach Shanghai? Natürlich!
Auf den Server des Bundessortenamtes, um die Sorte Linda freizuschalten und auf den Server der Saatgut-Treuhand, damit sämtliche Anbaudaten und Adressen von Bauern gelöscht werden. Das wird sie vorbereiten.
Aber erst mal die Kartoffeln gießen!

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07.07.2007

7:07 Uhr Beginn der Internetoperation

"Das ist ein Tag zum Heiraten," dachte Frau Schulz. "Die Standesämter sind an solchen Tagen immer voll." Sie saß gestern Abend wieder in ihrer Krötenhülle am Fluss in Weseram, da bekam sie eine weitere Mail. Das Auswärtige Amt aus Berlin schickte ihr diese Mail. Es war eine allgemeine Suchanzeige nach einem chinesischen Terroristen. Sie erkannte auf dem Bild Jack Bauer Cooper. "Das verstehe ich nicht. Warum wird Jack Bauer Cooper als chinesischer Terrorist geführt?" Franziska bereitete ihre Internetoperation vor. Sie schrieb eine neue Mail, startete das Frühlingskrötenprogramm und hing es an die Mail. So dass es auf den lokalen Rechnern nicht mehr geöffnet werden brauchte und das Programm sofort alle Daten des Servers überschrieb. Dann drückte sie auf "Senden" und flog in ihrer Krötenhülle als Anhang mit. Sie kam ziemlich leicht auf den Server der Saatgut-Mafia. Franziska suchte nach der Datenbank mit den Anbaudaten der Bauern. "Eine Datenbank ist gelöscht, aber wo sind die Sicherheitskopien?" Sie vermutete mindestens zwei Sicherheitskopien. Die lagen wahrscheinlich auf dem Server im Keller. Tatsächlich - im Keller stand ein Server mit Daten. Wo stand der Dritte? Sie hatte nicht mehr genügend Zeit, denn die Frühlingskröten waren bereits auf den anderen beiden Servern aktiv. Sie irrte durch die Kabel des Hochhauses. "Wie originell einen Server auf den Fahrstuhl zu stellen. Viel Spaß ihr Kröten." Damit war auch die dritte Datenbank gelöscht. "Dann nichts wie weg." Franziska wusste, dass eine weitere Sicherheitskopie auf einem Server außer Haus stand. Den wollte sie später ausfindig machen. Dazu musste sie das passende Werkzeug herstellen, um die Firewall zu durchbrechen. Die Saatgut-Treuhand wird eine Woche nicht arbeiten können und es werden viele Kröten in ihren Büros auf und ab springen.

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10.07.2007

Auf Nummer sicher

Franziska bekam eine Mail vom Auswärtigen Amt. Darin wurde auch sie wie Jack als chinesische Terroristin gesucht. "Sie kamen sicherlich dadurch darauf, weil ich das Programm der Chinesen benutzt hatte," dachte sie. "Dann zerstöre ich jetzt die Krötenhüllen aus Sicherheit." Frau Schulz eröffnete den Löschvorgang. 'Wollen sie wirklich die Krötenhüllen löschen', fragte das Programm dreimal. Zum Glück fiel ihr bei der letzten Abfrage ein, dass sie einen Gesprächsmitschnitt, der einen Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes belastete, in Jack Bauer Coopers Hülle hatte. "Das wäre beinahe schief gelaufen." Sie öffnete die Hülle von Jack Bauer Cooper und entnahm ihr die Datei. Auf der ein Beweis dafür zu finden ist, wie ein korrupter Regierungsbeamter den Chinesen Airbuspläne verkauft, damit sie dort ein Werk aufmachen müssen. Dann löschte sie die beiden Hüllen endgültig. Der Countdown des Löschvorgangs war noch fortlaufend als Jack Bauer Cooper plötzlich aus seiner Hülle sprang. Er hatte sich die ganze Zeit dort versteckt, ohne dass sie es bemerkt hatte. "Du bist wie der Froschkönig aufgetaucht," sagte Franziska und freute sich. "Hier in Weseram sind wir sicherer als in Shanghai und der Gesprächsmitschnitt gibt uns Sicherheit vor den deutschen Behörden." Sie gingen über die Wiese an der Havel zu ihrem Schloss und gossen die Kartoffeln.

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16.07.2007

Jack Bauer Cooper auf Besuch in Weseram

Nicht mal im Traum hätte Franziska daran gedacht, zusammen mit Jack Bauer Cooper! in ihrem kleinen Schloss zu sitzen. Jack konnte spannend von seinen geheimen Regierungsaufträgen erzählen. Seine Ermittlungen hatten auch schon zum Sturz eines amerikanischen Präsidenten geführt. Sie saßen auf einer kleinen Holzbank vor dem Haus und schauten auf das Kartoffelfeld. Die Nachbarn waren sehr neugierig. Das Ehepaar von nebenan brachte Selbstgebrannten mit. Die beiden alten Frauen deren Grundstück an ihres heran reichte, hatten Kuchen gebacken. Es wurde eine fröhliche Feier.

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29.07.2007

Kartoffelpuffer für Bruno Willis McLane

Jack Bauer Cooper ruhte sich in Weseram aus. Als er Bruno Willis McLane kommen sah, versteckte er sich auf der Terrasse hinter dem Haus. B.W. McLane war damit beauftragt worden, Frau Schulz in das Auswärtige Amt nach Berlin zu bringen, weil sie dort als chinesische Terroristin geführt werde. Er freute sich den Kollegen zu treffen.
Bruno Willis McLane: Wie oft bist du schon gestorben?
Jack Bauer Cooper: Das weiß ich nicht mehr. Aber sind wir nicht unsterblich?
Bruno Willis McLane: Als ich neulich den Gefahrenguttransporter gelenkt habe und vor mir plötzlich ein Düsenjäger auftauchte, der auf der Stelle flog und mir eine Rakete ins Cockpit jagte, da sagte ich zu mir, du hast alles gegeben, aber das hier ist eine Nummer zu groß für einen Mann.
Jack Bauer Cooper: Wie hast du dich dann hierher durchgeschlagen? Woher wusstest du von Frau Schulz in Weseram?
Bruno Willis McLane: Die Quelle ist geheim.
Jack Bauer Cooper: Verstehe.
Bruno Willis McLane: Frau Schulz soll dem Auswärtigen Amt etwas über das „Frühlingskrötenprogramm“ der Chinesen erzählen. Dann vergessen sie den Vorfall im Serverraum der Saatguttreuhand.
Frau Schulz: Wenn jemand Forderungen stellen kann, dann sind das Jack und ich. Wir haben schließlich den Beweis für einen Korruptionsskandal im Auswärtigen Amt.
Bruno Willis McLane meinte, dass sie besser kooperieren sollte.
Frau Schulz: Ich soll mich also wie eine Verurteilte verhalten? Mich selbst belasten?
Bruno Willis McLane: Die wollen wissen wie das Programm funktioniert, um es selbst anzuwenden. Damit sollen Rechner im Internet ausspioniert werden. Das „Frühlingskrötenprogramm“ installiert Frühlingskröten, die voller Informationen über den lokalen Rechner sind, wenn sie zurück an die Auskunftsstelle der Regierung gemailt werden.
Jack Bauer Cooper: Wir sind alle die Guten. Was soll der Tonfall?
Bruno Willis McLane: Ich habe nur einen Auftrag.
Frau Schulz: Ich weiß schon gar nicht mehr, in welchem Film ich bin.
Jack Bauer Cooper: Ich schlage vor, dass wir uns um die Kartoffel Linda kümmern. Dann fliege ich nach Shanghai, um die Vorgänge via Satellit zu beobachten. Den Gesprächsmitschnitt über den Korruptionsskandal im Auswärtigen Amt gebe ich nicht aus der Hand. Der garantiert Franziskas und meine Sicherheit.
Bruno Willis McLane: Früher hat mir meine Mutter manchmal Kartoffelpuffer zum Mittag gemacht.
Frau Schulz: Dann müssen wir Kartoffeln kaufen. Meine sind alle.
Bruno Willis McLane: Dann seh ich mal Weseram.

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15.08.2007

Bruno Willis abgemagert

Bruno Willis saß zusammen mit Frau Schulz vor dem Imbisswagen in Weseram. Er war abgemagert, vorallem im Gesicht hatten sich die Sorgenfalten durchgesetzt. Sie tranken jeder eine Cola und aßen Pommes mit Ketschup. Zu dieser Trostlosigkeit kam noch, dass sie neben der Brandenburger Chaussee saßen, die heute besonders befahren schien. Angesichts des derangierten Helden entschied sich Frau Schulz dazu, selbst zum Auswärtigen Amt zu fahren. Sie sagte, "wir fahren nach Berlin zum AA. Ich komme freiwillig mit." Bruno Willis war damit einverstanden. "Willst du nicht mal zum Arzt gehen?" fragte Frau Schulz ihn. "Es geht schon," meinte Bruno, "das ist mein letzter Auftrag." Er humpelte auf dem Weg entlang an der Havel zum Schloss von Franziska.

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28.08.2007

Kartoffelernte wichtiger als Heldentaten

„Es ist höchste Zeit für die Kartoffelernte,“ sagte Frau Schulz zu Bruno Willis McLane. „Wir können hier nichts mehr ausrichten,“ meinte sie. Sie standen beim Pförtner des Auswärtigen Amtes und Frau Schulz gab ihm in einem Briefumschlag die Lösung, um das „Frühlingskrötenprogramm“ zu knacken. Der Code ist in einem chinesischen Computerspiel versteckt. Dort muss man die traditionellen Zutaten für Frühlingsrollen eingeben. Dann kann man dort irgendwo ein Passwort sehen. Genaueres wusste Frau Schulz auch nicht. Sie hatte diese streng geheime Information als Email aus der Krötenhülle von Jack Bauer Cooper. Die Krötenhülle hatte sie zerstört. Der Pförtner des AA hatte keine weiteren Anweisungen.
„Dann holen wir die Kartoffeln rein. Es ist ja vielleicht das letzte Mal, dass wir Linda ernten können.“
Dann sah Frau Schulz im Fernseher des Pförtners den Chef des AA auftreten und über einen Korruptionsskandal in Shanghai sprechen. Vielleicht hatte Jack Bauer Cooper den Gesprächsmitschnitt über ein Abkommen eines Mitarbeiters des AA mit chinesischen Terroristen an die deutsche Regierung abgeliefert? Frau Schulz hoffte, dass Jack Bauer Cooper noch lebte, da er von allen Seiten als Terrorist gesucht wurde. Nur er kennt alle Zusammenhänge, da war sie sicher.
Bruno Willis unterbrach Franziska in ihren Überlegungen, er wollte noch ins Kino gehen. Aber sie sagte, dass ihr Beruf Biobäuerin ist und sie jetzt Kartoffeln ernten gehen. Bruno Willis war einverstanden. Er musste sich nach einer neuen Arbeit umschauen. Es gab eine neue Generation Helden. Da er sich nicht für Computer interessierte und Hacker für ihn irgendwo ein Ding an der Waffel hatten. Mit Frühlingskröten den Server einer Saatgut-Treuhand lahm legen wie es Frau Schulz gemacht hatte, da kam er nicht mehr mit. Aber er konnte das Motiv von Franziska verstehen. Er konnte aus einem brennenden Düsenjäger abspringen und den Feind von Angesicht zu Angesicht stellen. Aber heute weiß ja niemand mehr, wer sich in den elektronischen Hüllen verbirgt mit den die Terroristen durch das Internet reisen. Es sind anonyme Helden.
„Was ist denn?“ fragte Frau Schulz.
„Ach nichts,“ meinte Bruno Willis McLane.
„Das glaube ich dir nicht. Nun sag schon, Bruno.“
„Nö. Na, gut. Ich bin als Held überflüssig. Es gibt nur noch anonyme Helden. Es werden keine Persönlichkeiten mehr gesucht."
"Dann such dir etwas anderes."
Frau Schulz und Jack Bauer Cooper hatten elektronische Krötenhüllen benutzt. Dazu hatten sie ein Frühlingskrötenprogramm zur Verfügung, dass von Jacks Spezialabteilung der CTU nachgebaut wurde. Ursprünglich war es Teil eines chinesischen Computerspieles. Das Programm wurde per Mail auf einen lokalen Rechner geschickt und generierte dort Kröten, die auf der Tastatur sprangen. Mit ihren Krötenhüllen konnten Frau Schulz und Jack Bauer sich unter die Kröten mischen, dass waren mehrere Hundert von Kröten, die gemeinsam einen bestimmten Server als Ziel hatten. So konnten sie heraus bekommen, was die Terroristen planten als Kundschafter des Friedens.

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22.09.2007

Erntedank mit sorgenvollen Gedanken

Die Ernte war eingefahren. Frau Schulz saß mit Bruno Willis McLane auf der Terrasse und aß Kartoffelsalat. Sie hatte im Fernsehen gesehen, dass Kartoffelsalat für die Entwicklung des Gehirns verantwortlich sei. "Nicht ausschließlich der Kartoffelsalat, aber die Kartoffel an sich," verbesserte sie Bruno Willis. Die Kartoffel sei für das Wachstum des Gehirns verantwortlich.
Ab dem nächsten Jahr darf Frau Schulz nicht mehr ihre Lieblingskartoffelsorte Linda anbauen. Es kommt eine neue bessere Kartoffelsorte auf den Markt. Womöglich wird diese dann mit einem Terminator-Gen ausgestattet sein, dass die Samen unfruchtbar werden lässt. Welche Folgen werden diese Kartoffel für das menschliche Gehirn haben? Wird es vielleicht immer größer werden? Kann sich der Mensch dann noch aufrecht halten? Wird er nur noch überlebensfähig programmierbar in einer elektronischen Krötenhülle, die ihn im Gleichgewicht hält? Bruno Willis und Frau Schulz stoßen auf die Ernte mit einem Schluck Kartoffelschnaps an. Es wird wahrscheinlich die letzte Kartoffelernte für Frau Schulz gewesen sein. Sie wird im nächsten Jahr Kopfsalat anbauen und daraus Öl gewinnen. Das Kopfsalatöl aus Weseram will sie sich patentieren lassen. Sie nimmt damit eine alte Tradition aus Ägypten wieder auf. Damals war das Kopfsalatöl heilig. Es wurde in den alten Zeremonien eingesetzt.
Bruno Willis rutschte näher. Frau Schulz meinte, dass sie genug Kartoffelschnaps probiert hätten. Wie stellte sich Bruno Willis McLane überhaupt seine Zukunft vor? "Willst du hier bleiben?" fragte sie ihn. Er wusste es noch nicht. Wie sollte auch ein Bruno Willis McLane, der in vier Filmen gegen Terroristen gekämpft hatte, ein normales Leben beginnen? Frau Schulz wusste, dass sie ihm Zeit lassen müsste bei seiner Entscheidung. "Du könntest dich eigentlich um die Heizung für den Winter kümmern," meinte sie.

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30.10.2007

Alles passiert an einem Tag

Bruno und Jack waren plötzlich nicht mehr da. Franziska suchte das Schloss nach ihnen ab. Sie fand sie schließlich im Turm. Sie hatten Franziskas Fahrrad in verschiedene Einzelteile zerlegt und diskutierten.
Fast sprachlos fragte sie, "Was is'n hier los?"
"Ach, Franziska, hallo," sagte Jack beiläufig, "wir bauen eine Zeitmaschine" und montierte die Klingel ab. Die würde in einem anderen Zeitalter nur stören.
"Ich weiß jetzt, was ich im Ruhestand unternehmen werde," sagte Bruno.
"Ich nehme an Studien im All teil. Mit einem Weltraumbiologen habe ich auch schon gesprochen."
Es klingelte an der Schlosstür.
Frau Schulz ging zur Tür ohne eine Antwort zu geben. Ein junger Mann mit einer Liste stand da und lächelte.
"Sind sie Franziska Schulz?"
"Ja, bin ich," sagte sie.
"Sie zahlen keine Rundfunkgebühren. Haben sie einen Fernseher oder ein Radio?"
"Nein."
"Entschuldigen sie die Störung, auf Wiedersehen."
Kaum war sie wieder im Turm klingelte es erneut unten an der Tür.
"Was ist denn heute los? Manchmal passiert den ganzen Tag nichts."
"Damit dann alles an einem Tag passieren kann," lachten Bruno Willis McLane und Jack Bauer Cooper wie aus einem Hals.
Franziska ging die Stufen wieder hinunter. Es war wieder ein junger Mann.
"Guten Tag, Franziska. Mein Name ist Anton-Moskau. Ich bin ein Wächter des Dunkelns und habe bei ihnen über dem Turm eine Magieansammlung gesehen."
"Da wird eine Zeitmaschine gebaut. Zwei ausrangierte Filmhelden haben ein Zukunftsprojekt. Es geht um Weltraumbiologie."
"Das ist eine unerlaubte Magieanwendung. Das müssen sie melden. Darf ich mir die Zeitmachine anschauen?"
"Ja, kommen sie herein. Noch ist nicht viel zu sehen."

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06.11.2007

Einweihungsfeier

Es war soweit. Das Ehepaar von gegenüber kam die Treppe des Turmes hinauf. Die Zwillingsomas von nebenan standen schon mitten in der Runde. Jack, Bruno und Anton-Moskau strahlten übers Gesicht. Etwas stand in der Mitte des kleinen Raumes unter der Turmspitze. Sie hatten es unter einer Decke versteckt. Es gab für alle Kartoffelschnaps.
Die erste Rede führte Bruno Willis McLane.
Über die Wichtigkeit der Erfindung, das Finden, den Fortschritt, das Mehr an Erkenntnis über die Menschheit.
Dann übernahm Jack Bauer Cooper. Er wirkte beruhigend und sprach über die Sicherheit für alle Beteiligten und schloss Sicherheitslücken aus.
Anton-Moskau sagte nichts.
Die Nachbarn waren gespannt.
Frau Schulz durfte die Decke wegziehen.
Sie starrte in ein Loch. Im Boden ihres Turmes klaffte ein Loch.
"Wir mussten einen Graben bis in hundert Meter Tiefe ausheben und Rohre einlegen." Bruno erklärte. Daneben stand das Fahrrad von Franziska. Damit könnte sie sich in den langen Schacht fallen lassen. Über die Gänge Eins bis Sieben könnte sie bestimmen, in welche Zeit sie reisen möchte.
Sie brauchte einen Schnaps.
"Die Zeitmaschine funktioniert mit einer Antriebsmagie."
Anton-Moskau erklärte.
Frau Schulz stieg auf das Fahrrad. Das Fahrrad hatte den ersten Gang drin. Sie rollte bis an den Rand des Schachtes und stoppte.
"Wo komme ich wieder raus?"
"Es gibt dort unten einen Lastenaufzug," versicherte Jack. Sie hatte einen Peilsender an ihrer Jacke mit dem Jack verfolgen konnte, in welcher Zeitschicht sie sich befand. Frau Schulz brauchte nur die Gänge rückwärts zu schalten und wäre wieder da.

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11.11.2007

Turmzeitmaschinen-Start

Frau Schulz fiel hart auf den Po in hundert Meter Tiefe. Das Fahrrad war verbeult. Der Zeitsprung fand nicht wie erwartet statt. Sie sprach mit Jack Bauer Cooper über den Peilsender und das Mikro an ihrer Jacke.
"Hast du meine Position auf dem Bildschirm?", fragte sie ihn.
"Wir sehen dich Franziska," klang es verzerrt aus dem Minilautsprecher.
"Du hast vergessen, in die Pedale zu treten. Außerdem bist du nur im ersten Gang geblieben. Dadurch gab es keinen Zeitsprung. Nimm den Fahrstuhl und kommt wieder hoch."
Franziska schob das kaputte Fahrrad zur Fahrstuhltür. An einer weiteren Tür hing ein Schild mit der Aufschrift 'Für Personal'. Das machte sie neugierig. Sie stellte das Fahrrad in den Fahrstuhlkorb und schickte es nach oben. Das war ein Fehler wie sich aber erst später herausstellte.
Franziska ging durch den Personaleingang. Zunächst sah sie einen grauen Flur. An den sich mindestens zehn verlassene Büroräume anschlossen. Sie fand keinen Hinweis auf irgendetwas und wollte wieder umdrehen. Da stand Anton-Moskau vor ihr und sagte, "präge dir alles genau ein. Damit du später wieder zurück findest."
"Haste keen Grundriss?"
"Franziska aktivier bitte deine Ortsneurone."
"Meine Ortsneurone?"
"Such dir einen zentralen Punkt im Raum. Von dort aus drehst du den Kopf soweit, bis du dir eine vollständige Raumkarte eingeprägt hast."
"Wozu ist das nötig und warum sollte ich nicht wieder zurück finden?"
"Was du hier siehst ist Level 0. Mit einem geglückten Versuch hoffen wir darauf, dass du in ein anderes Raumlevel kommst. Dann wäre unsere Zeitsprung-Theorie bestätigt."
"Wer bist du?"
"Das erzähle ich dir ausführlich, wenn wir wieder oben sind. Präge dir nur diese Räume ein wie sie in Level 0 aussehen. Ich bin ein Weltraumbiologe aus Moskau."

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28.11.2007

Zeit der Schneelandschaft

Frau Schulz hat sich ein neues Ziel gesteckt. Sie ist nicht noch einmal mit dem Fahrstuhl hinauf gefahren. Sie bleibt in hundert Meter Tiefe. Franziska möchte mit der Zeitmaschine diese Gegenwart verlassen und in eine andere Zeit eintauchen. Was sie dort erwartet, weiß sie noch nicht. Hat der Zeitsprung schon begonnen?
Sie steht in einer Halle, die mit blauen Kacheln ausgekleidet wurde. Auf den Keramikwänden haben sich kleine Bläschen gebildet. Sie schreibt mit dem Finger ein Wort auf die Wand und sieht wie es im Dunst wieder verschwindet. Franziska kann kaum noch ihre Hand vor dem Gesicht erkennen. Sie steht nun völlig im Nebel. Ihre Bewegungen sind langsam, denn es ist kalt geworden. Sie scheint von den Füßen aufwärts, fest zu frieren. Nach einer Stunde ist der Nebel verschwunden und hat sich auf eine Schneelandschaft gelegt. Sie hört von fern ihre Stimme als hätte sie ein Echo los geschickt. „Wieso eigentlich ein Echo?“, ruft sie vom Gletscher hinunter. Der Satz kommt nicht wieder zurück. Sie versucht das Echo zu verstehen. „Nichts anfassen!“, sagt es. „Nichts anfassen?“ Franziska kann sich nicht bewegen. Deswegen scheint die Warnung aus einer anderen Zeit zu kommen Tatsächlich sieht sie sich selbst wie sie von sich weg geht. „Irgendjemand muss hier auch das Echo übernehmen,“ denkt sie ohne sich darüber zu wundern. Aber die andere Frau Schulz scheint sie nicht zu sehen. „Wieso friert die andere nicht ein?“ Da kapiert sie das Spiel. „Wieviel von mir kommen da noch?“ Franziska steht noch in der Schneelandschaft und hört wieder das Echo, das vermutlich von einer weiteren Zeit ausgesendet wird. Das ist die Zeit mit dem Wissen der anderen Zeiten. „Nicht bewegen!“, schallt es. „Sehr witzig,“ ruft sie zurück und “man soll ja seinen Humor nicht verlieren! Kommt jetzt eine Schneelawine?“

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29.11.2007

live dabei

Frau Schulz ist live dabei als die Anfangsszene eines James Wund Filmes gedreht wird. James Wund wird von einem blonden ostdeutschen Skiweltmeister verfolgt. James Wund stürzt sich den schneebedeckten Abhang hinunter. Es tauchen drei Verfolger auf, die auf der Seite des ostdeutschen Skiweltmeisters kämpfen. James Wund verliert einen Skistock und kann nur knapp einem Baum ausweichen, an dem ein Verfolger sich den Kopf einhaut. Einer von denen hat jetzt ein Motorrad. James Wund verliert den zweiten Skistock. Der Motorradverfolger fliegt in eine Scheune. Der dritte Verfolger stirbt. James Wund verliert einen Ski. Nun sind nur noch der ostdeutsche Skiweltmeister und Wund übrig. Auf einem Ski fliegt James weit über die Scheune hinweg und entkommt über die Grenze eines anderen Blockstaates. Damals gab es zwei kriegerische Politikblöcke, auf die sich die meisten Staaten der Welt aufteilten. James Wund und der ostdeutsche Skiweltmeister gehörten jeweils einem Block an und hüteten als Spezialagenten deren Gleichgewicht.

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16.12.2007

Puschenreggae

So kurz vorm Fest. Frau Schulz dachte an Jamaika. Sie war noch nicht dort gewesen, aber man erzählt sich, dass es nicht so sein soll wie man hierzulande über Jamaika denkt. Der Reggae soll in Jamaika auch anders sein. Sie konnte die Füße plötzlich bewegen, weil der Schnee darunter taute. Die schneebedeckten Berge verschwanden. Wie bei der ersten Zeitreise bildete sich Nebel. Sie schloss die Augen. Frau Schulz schielte durch einen kleinen Lidspalt und sah Anton-Moskau hinter einem Mischpult stehen. Über ihm leuchtete ein roter Stern. Es war warm und ein Raum voller wabender Körper. Sie hatte noch Ski an und versuchte Anton-Moskau zu erreichen. Er hatte Kopfhörer auf und legte gerade eine neue Platte auf. Sie musste schreien, weil er den Reggae so laut spielte.
"Schön ein bekanntes Gesicht zu sehen!"
Anton-Moskau reagierte nicht. Frau Schulz stellte die Ski demonstrativ vor das Mischpult. Dann kroch sie unter dem Mischpult hindurch und sah Anton-Moskau mit Puschen. Da war er nun ein Magiebegabter und trug Puschen, dachte Frau Schulz. Sie nahm ihm die Kopfhörer ab und begrüßte ihn.
"Da bist du wieder. Strastwuijtie."
"Ich nehm die Zeitmaschine mit und fahr nach oben."
"Ich komm mit. Das ist kein echter Reggae."
"Weiß man denn in Moskau wie echter Reggae geht?"
"Natürlich."


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21.12.2007

Es gab Kartoffelsuppe

Niemals hätte sie geglaubt, dass der Fahrstuhl noch funktionierte. Anton-Moskau lächelte smart und legte seinen Arm um ihre Schulter. Sie hielt das Fahrrad am Lenkrad. Das war ihre erste Zeitmaschine. Damit hatte sie soeben eine Reise in eine Schneelandschaft und zurück in einen Reggaekeller gemacht. Das war unglaublich, aber es schien wahr. Als sie oben in ihrem Turm ankamen, warteten dort Bruce Willis McLane und Jack Bauer Cooper. Sie freuten sich alle und es war ein sehr herzliches Wiedersehen. Sie stellte die Zeitmaschine ab. Alle vier stiegen die Wendeltreppe hinunter und gingen in das Kaminzimmer. Der Kamin feuerte. Sie setzten sich auf die weißen Plastikstühle um den dazupassenden Tisch. Die Nachbarin kam mit einer dampfenden Schüssel aus der Küche und stellte sie auf den Tisch. Alle reckten ihre Nasen nach vorn und rochen an der Kartoffelsuppe. Dann betrat der Nachbar mit einem Bündel Wiener Würstchen das Zimmer. Die wurden gleich dazu gegessen.

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16.01.2008

In einem anderen Sonnensystem

Frau Schulz kehrte von ihrer dritten Zeitreise leider nicht mehr zurück. Ihre Freunde trauerten und verschenkten das Gut an die Nachbarn. Sollte sie je noch einmal nach Weseram zurückkommen, kann sie sich dort den Schlüssel holen. Der Start war diesmal wie geplant verlaufen. Sie saß im Turm auf ihrer Fahrradzeitmaschine. Sie trat in die Pedalen und schaltete in den fünfzigsten Gang und fiel dann die hundert Meter nach unten. Diesmal gab es keine Bruchlandung. Diesmal schien die Zeit still zu stehen. Der Funkverkehr zu Bruno Willis McLane brach ab. Anton-Moskau konnte auch mit Magie nicht helfen. Sie war in einer Zeitdimension, die bisher noch kein Mensch auch nur gedacht hatte. Sie war für die anderen ohne jede Spur verschwunden. Franziska öffnete die Augen und blickte sich um. Sie schaute zum Himmel und sah zwei Sonnen. Sie wußte sofort, dass sie in einem anderen Sonnensystem gelandet war. Franziska konnte nicht mehr zurück nach Weseram. Das tat ihr einerseits leid, wegen der Freunde und der Nachbarn. Aber sie hatte genug von der Landwirtschaft und dem Ärger mit der Saatgut-Treuhand. Deswegen sammelte sie alle ihre Knochen zusammen, schwang sich auf ihr Fahrrad und radelte auf die zwei Sonnen zu.

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20.01.2008

Eine andere Welt

Sie erinnerte sich an die Zeit als sie aus dem Knast kam. Sie war mit einem Bus die Landstraße hinunter gefahren. Dann war sie in Weseram ausgestiegen. Franziska stieg auf ihr Fahrrad. Sie fuhr wieder eine Landstraße entlang. Nicht der Fluss begleitete sie am Rand wie auf der Brandenburger Chaussee, sondern es umgab sie Steppe. Die beiden Sonnen in der Ferne brannten heiß. Das Licht gefiel ihr nicht. Eine Sonne schimmerte violett und die andere strahlte ein weißes kaltes Licht aus. Sie fuhr geradewegs auf die Sonnen zu. Sie war zuversichtlich. Zurück wollte sie nicht mehr. Franziska radelte durch die Steppe. Sie traf einen Hasen. Der Hase zeigte ihr sein Möhrenbeet. Sie überholte eine Spinne, die eine fette Fliege eingesponnen hatte und zum Marktplatz wollte. Dann setzte sie sich an den Straßenrand und aß Möhren. Die Spinne meinte, "Zum Marktplatz sind es mit dem Fahrrad bestimmt zwei Wochen. Du kannst ihn nicht verfehlen. Wir haben nur eine Straße. Sie wurde von den Ameisen gebaut."

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29.01.2008

Tierplanet

Ihre Haare sind gewachsen. So konnte sie einen schwarz-magentafarbigen Zopf tragen. Sie saß auf dem Fahrrad und der Schweiß tropfte von der Stirn. Seit Tagen hatte sie sich nicht gewaschen. Doch der Markt von dem die Spinne gesprochen hatte, war noch nicht zu sehen. Das Licht der Sonnen wurde immer unangenehmer und stach in den Augen, sobald sie die Sonnenbrille abnahm. Frau Schulz dachte an Wasser und vermutete irgendwann in dieser Hölle mit den zwei Sonnen umzukippen. Sie hielt kurz an, um etwas Luft zu schnappen und hörte einen Flügelschlag. Franziska blickte nach oben und sah einen großen Pinguin vor sich landen. Der Pinguin stellte sich vor. "Dann gehört ihnen dieses Land?", fragte Franziska. "Wir teilen uns dieses Gebiet mit den Ameisen," antwortete der Pinguin. "Mit den Ameisen? Sie brauchen doch aber unterschiedliche Lebensräume? Oder?" Der Pinguin erklärte: "In deiner Zeit lebten wir noch im Eis und die Ameisen lebten dort, wo es kein Eis gab. Aber die Pinguinforschung der letzten Jahre hat dazu geführt, dass wir unseren Lebensraum ausdehnen konnten. Die zwei Sonnen sind unser Geheimnis. Die eine Sonne ist die echte aus deiner Zeit. Die andere Sonne ist neu. Sie ist entwickelt worden, um Lebewesen aus der Eiszeit wiederzubeleben. In deinem Jahrhundert dachte noch niemand daran, eine zweite Sonne an den Himmel zu hängen. Alle wollten nur in den Weltraum, um einen fremden Planeten zu finden. Die Menschen waren noch zu sehr in ihren alten Glaubensmustern gefangen. Aber wir mussten uns etwas einfallen lassen, um zu Überleben." Franziska sah den großen Pinguin an. Sie kannte bisher nur Pinguine aus dem Zoo, die einen Meter lang waren. Dieser hier war so groß wie ein Mensch. "Wo sind die Menschen?", wollte sie wissen. "Menschen gibt es in deinem Sinne nicht mehr. Es gibt nur noch Mischformen. Es ist möglich, dass sich jede Spezies mit einer anderen mischt. Das haben wir Pinguine mit den Menschen gemacht, bevor wir drohten auszusterben." Franziska fragte, "hast du vielleicht etwas zu trinken?" Der Pinguin schüttelte den Kopf, "aber ich nehme dich mit in die Stadt der zwei Sonnen."

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11.01.2222

Franziska Schulz - Ein Tagebuch

Sie sollten einer Chronologie keinen Glauben schenken, nur weil sie sich so darstellt als wäre sie ein zeitliche Abfolge. Bruchstücke von Erinnerungsspuren wurden rückwirkend eingefügt. Manchmal zerfiel der Tag in mehrere Zeitfenster. Frau Schulz fehlte oft Zeit, ihre alltäglichen Gedanken und Ereignisse zu notieren, trotzdem:

Sie können hier ihr Tagebuch lesen, das in "Echtzeit" aus der Zukunft aufgeschrieben wird!

Frau Schulz erwarb durch großes Glück ein verlassenes Schloss in Weseram an der Havel. Seitdem verdiente sie ihr Einkommen als Biobäuerin. Sie bestellte ein kleines Feld und erntete im Spätsommer Kartoffeln. Nach einer gescheiterten Liebe und einem harten Winter verschlug es sie im Februar 2007 nach Berlin.
Spezialagent Jack Bauer Cooper kam in ihr Leben und übernahm die Niederschrift einiger nachfolgender Ereignisse. In ihrem "Schloß Weseram" hatte sich eine chinesische Terroristengruppe verschanzt. Frau Schulz übernahm die Ermittlungen. Doch im Auswärtigen Amt wurde sie als chinesische Internet-Terroristin geführt. Der letzte echte Held Bruno Willis McLane überführte sie. Sie verriet dem AA den Code des gesuchten "Frühlingskrötenprogramms". Damit hatte sie via Mail Beweise für einen Korruptionsskandal in Shanghai bekommen und sich nach dem Verbot ihrer Kartoffelsorte Linda an der Saatgut-Treuhand gerächt.
Anton-Moskau als Wächter des Dunkels traf auf das Trio. Jetzt waren sie zu viert im Kampf um eine gerechtere Welt. Sie bauten eine Zeitmaschine. Franziska gelang der Fall in eine andere Welt.

©Berit Schulz


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23. Aug. 2019


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alle texte einzeln:

15.07.2005
Willkommen in der Parallelwelt!

16.07.2005
Erste Schritte in Freiheit

17.07.2005
Ein Traum von einem Schloss

18.07.2005
Schlossumgebung

19.07.2005
Frau Schulz als Kartoffelbäuerin

20.07.2005
Überm Feld ein vibrierender Schleier

21.07.2005
Eine Hoffnung keimt

22.07.2005
In der S-Bahn als Äffin

23.07.2005
Vibrierende Stadtfelder

24.07.2005
Besuch bei der Schlossfrau

25.07.2005
Verwirrung

26.07.2005
Knasterinnerung als Schatten

28.07.2005
Der verschwundene Tag

29.07.2005
Überraschung in Weseram

30.07.2005
Die Kartoffel Linda

31.07.2005
Die Leistungsfähigkeit einer Kartoffel

01.08.2005
Bummel in Weseram

02.08.2005
Der Wasseranschluss

03.08.2005
Elternbesuch

04.08.2005
Poesiealbum

05.08.2005
Abhängen

09.08.2005
Ein Traum und der Anfang einer Reise

10.08.2005
Städtereise von Potsdam nach Görlitz

11.08.2005
Stadtbummel in Görlitz

12.08.2005
Straßentheaterfestival in Görlitz

13.08.2005
Neisseradweg

14.08.2005
Im Märchen

15.08.2005
Märchenhafte Begegnung

16.08.2005
Ein Festumzug

17.08.2005
Am Kiessee

18.08.2005
Badeurlaub

19.08.2005
Containerstil

20.08.2005
Oderbruch

21.08.2005
Überraschung in Weseram

22.08.2005
Wasserkocher

23.08.2005
Verdienter Schlaf

24.08.2005
Am Morgen

25.08.2005
Morgenaktivität

26.08.2005
Unangemeldeter Besuch

27.08.2005
Morgenspaziergang

28.08.2005
Am Vormittag

29.08.2005
Mittagshitze

30.08.2005
Temperaturschwankung

31.08.2005
Gießen

01.09.2005
Früher Abend

02.09.2005
Später Abend

03.09.2005
Morgennöte

04.09.2005
Liebeskummer

05.09.2005
Liebeskummer...

06.09.2005
Stimme aus dem Off

07.09.2005
Die beiden Alten von nebenan

08.09.2005
Die Geschichtenschreiberin

09.09.2005
Zeit zum Nachdenken

10.09.2005
Tagwerk

11.09.2005
Immer das Gleiche

12.09.2005
Feiern am Fluss

13.09.2005
Abenteuerlust

14.09.2005
Trampen

15.09.2005
Besuch bei Martin

16.09.2005
Zeitvertreib

17.09.2005
Mammut und Mond

18.09.2005
Sonntagskränzchen

19.09.2005
Ernst des Lebens

20.09.2005
Kartoffelernte

21.09.2005
Kartoffelernte

22.09.2005
Karoffelernte

23.09.2005
Kartoffelernte

24.09.2005
Kartoffelerntefest

25.09.2005
Nach dem Fest

26.09.2005
Ich schreibe selbst

31.01.2006
Im Winter

03.02.2007
Franziska und das Unglück

05.02.2007
Mist!

06.02.2007
Keine Adresse

07.02.2007
Momente, die bleiben sollen

24.02.2007
Getose

03.03.2007
Neues Outfit

07.03.2007
Mein Name ist Jack Bauer Cooper und ich erzähle jetzt die Ereignisse.

09.03.2007
Spur von Frau Schulz aufgenommen

10.03.2007
Entführung in Weseram

11.03.2007
Terrorspiel mit dem Computer

12.03.2007
In der Hand chinesischer Wirtschaftsspione

13.03.2007
Goldgräber im Internet

14.03.2007
Frau Schulz gerettet von Jack

15.03.2007
Jack Bauer Cooper mit Krise

18.03.2007
Alle krank

26.03.2007
Die CTU-Spezialeinheit in Kreuzberg und Peking

01.04.2007
Die CTU-Spezialeinheit in Peking fliegt auf

11.04.2007
Elektronische Frühlingskröten mit geheimen Daten

15.04.2007
Verwandlung zur Kröte

17.04.2007
Krötengedanken

20.04.2007
Frau Schulz als Spezialagentin "Kröte"

05.05.2007
Frau Schulz wieder in Weseram

06.05.2007
Das letzte Jahr für die Kartoffel Linda

07.05.2007
Zwei rätselhafte Krötenhüllen

08.05.2007
Nachtgedanken

14.05.2007
Eine verschlüsselte Nachricht

17.05.2007
In der Krötenhülle

01.07.2007
Saatgut-Treuhand setzte Frau Schulz unter Druck

04.07.2007
Das sind alles Überlegungen wie es weitergehen könnte

07.07.2007
7:07 Uhr Beginn der Internetoperation

10.07.2007
Auf Nummer sicher

16.07.2007
Jack Bauer Cooper auf Besuch in Weseram

29.07.2007
Kartoffelpuffer für Bruno Willis McLane

15.08.2007
Bruno Willis abgemagert

28.08.2007
Kartoffelernte wichtiger als Heldentaten

22.09.2007
Erntedank mit sorgenvollen Gedanken

30.10.2007
Alles passiert an einem Tag

06.11.2007
Einweihungsfeier

11.11.2007
Turmzeitmaschinen-Start

28.11.2007
Zeit der Schneelandschaft

29.11.2007
live dabei

16.12.2007
Puschenreggae

21.12.2007
Es gab Kartoffelsuppe

16.01.2008
In einem anderen Sonnensystem

20.01.2008
Eine andere Welt

29.01.2008
Tierplanet

11.01.2222
Franziska Schulz - Ein Tagebuch